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Interview mit Ünal Kaymakçi: "Ein besonnener Geistlicher"

Ünal Kaymakçi, Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, spricht seinem Imam das Vertrauen aus. Sebahattin Türkyilmaz sei der richtige Mann für die Aufgabe, sagt er im FR-Interview.

Seinem Beruf als Anwalt kann Ünal Kaymakçi dieser Tage nicht viel Zeit widmen.
Seinem Beruf als Anwalt kann Ünal Kaymakçi dieser Tage nicht viel Zeit widmen.
Foto: FR/Boeckheler

Herr Kaymakçi, kannten Sie Sebahattin Türkyilmaz schon, bevor er als Imam in ihre Gemeinde kam?

Ich kannte ihn nur flüchtig und hatte ihn nur sporadisch gesehen. Er stammt aus der Gegend in der Türkei, aus der auch meine Eltern und viele unsere Gemeindemitglieder stammen. Es bestand eine landsmannschaftliche Verbindung, und so haben wir Kontakt zu ihm aufgenommen, als wir einen neuen Imam suchten.

Zu Person

Ünal Kaymakçi ist Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, die in Hausen eine Moschee baut. Die schiitische Gemeinde hat seine Räume derzeit in Griesheim.

Der 37-Jährige ist als Sohn türkischer Eltern, die 1968 als Gastarbeiter hierher kamen, in Frankfurt geboren und aufgewachsen.

Der Vater von drei Kindern ist hat Jura studiert und arbeitet als Rechtsanwalt

Warum ein neuer Imam?

Nach dem plötzlichen Tod unseres Imam Hamza Göleli 2008 brauchten wir einen Nachfolger. Der Vorstand der Moscheegemeinde kam schnell zu dem Entschluss, dass wir keinen Geistlichen aus der Türkei holen, sondern einen Imam suchen, der deutschprachig und türkischstämmig ist. Das war uns für die angestrebte Dialog- und Integrationsarbeit in unserer neuen Moschee wichtig. Bei unserer Suche sind wir auf Scheich Sebahattin Türkyilmaz aufmerksam geworden. Er ist der einzige deutschsprachige schiitische Imam türkischer Herkunft in Deutschland. Damit wollten wir unserem Anspruch gerecht werden, einen Imam zu finden, der den Dialog mit unserer Jugend und der Außenwelt führen kann und der mit seinen deutschsprachigen Predigten die Forderung der Öffentlichkeit nach mehr Transparenz erfüllt. Er predigt auch von Anfang an auf Deutsch, was von Besuchern auch außerhalb der Gemeinde verfolgt werden kann und von vielen Besuchergruppen bereits verfolgt wurde.

Haben Sie im Vorfeld sich über seine Person informiert - im Sinne von was ist das für ein Imam?

Wir werden seit dem Moscheestreit öffentlich sehr beäugt, wir haben großes Interesse an einer offenen Moschee. Und um dem gerecht zu werden, haben wir einen deutschsprachigen Imam gesucht und deshalb Gespräche mit dem Berliner Moscheevorstand und den Gemeindemitgliedern geführt. Wir haben uns über seine theologischen Kompetenzen einen Eindruck verschafft und waren damit sehr zufrieden. Auch seine Vorstellung über Jugend- und Integrationsarbeit stimmte mit unseren überein. Nach Beratungen im Vorstand kamen wir zu dem Entschluss, dass wir ihn nach Frankfurt holen. Wir haben uns also davon überzeugt, dass Herr Türkyilmaz der richtige Mann ist.

Es war Ihnen nicht bekannt, dass Herr Türkyilmaz mit Antisemitismus in Verbindung gebracht wird? Es gibt einen Artikel aus dem Jahr 2006, in dem gegen ihn diese Vorwürfe erhoben werden.

Einen solchen Artikel kenne ich nicht. Unsere Gemeinde bezieht sich darauf, wie wir ihn hier erleben. Und wir erleben ihn als einen integren, kompetenten Imam, der den Dialog zu anderen Religionen sucht und in keiner Weise in Verbindung gebracht werden möchte mit feindlicher Haltung zu anderen Relgionen oder irgendeiner Volksgruppe. Ich habe ihn in mehreren Predigten mit genuin islamischen und koranischen Argumenten gegen Antisemitismus in der Gesellschaft sprechen hören, deshalb ist ein solcher Vorwurf gegen ihn entschieden zurückzuweisen. Mit einem solchen Vorwurf sollte man sehr behutsam sein. Kritik an völkerrechtswidrigen Kriegen und Besatzungen Israels muss scharf von Antisemitismus getrennt werden. Ein offener Diskurs ist sonst unmöglich.

Was halten Sie davon, dass ein Imam an solch politisch brisanten und mit Antisemitismus in Verbindung gebrachten Demonstrationen wie am Al-Quds-Tag teilnimmt?

Diese Demonstrationen sind uns in Frankfurt und Hessen bisher nicht bekannt gewesen, so dass ich kein Urteil darüber fällen kann. Erst durch die aktuellen Vorwürfe habe ich davon gehört und kenne den Inhalt auch nur von den Medien und nicht aus eigener Anschauung. Unser Imam hat uns glaubhaft versichert, dass er mit seiner Teilnahme in keinster Weise antisemitische Positionen beziehen, sondern lediglich seine Solidarität mit den leidenen Palästinsensern in den besetzten Gebieten bekunden wollte.

Sie vetrauen Ihrem Imam?

Ja, ich vertraue ihm sehr. Seit dem er hier ist, habe ich ihn als einen besonnenen und dialogorientierten Geistlichen erlebt.

Und wie werden Sie vorgehen, wenn er die Anschuldigungen nicht in der Weise, wie jetzt von der Politik und allen anderen gesellschaftlichen Gruppen gefordert, entkräften kann?

Der Vorstand hat mit dem Imam über die ihm gemachten Vorwürfe gesprochen. Er konnte sie restlos glaubhaft widerlegen. Daher sind wir sehr beruhigt und können ihm mit gutem Gewissen in der Öffentlichkeit unterstützen. Sollten tatsächlich Fehler gemacht worden sein, hat Herr Türkyilmaz die Größe, sie auch einzugestehen und zu korrigieren.

Wie konnte er die Unterstellungen entkräften?

Ich kenne die Methoden solcher Sendungen aus eigener leidlicher Erfahrung sehr gut. Für das meiste haben wir keine Erklärungen gebraucht, da in dem Magazin vieles nicht zusammenpasste, wie die Übersetzungen, die Daten, die Schnitte, der gesprochene Text und vor allem die Absicht. Zu jedem Vorwurf hat er uns detailliert und substanziiert Informationen gegeben, die wir auch in einem sehr ausführlichen Brief sehr transparent an die Integrationsdezernentin und den Magistrat weiterleiten werden, um die Vorwürfe restlos auszuräumen. Wir haben in vielen Jahren vorbildlicher Dialog- und Integrationsarbeit Pionierarbeit in unserer Stadt geleistet und dadurch viel Vertrauen und einen guten Ruf bei den Menschen erworben. Den wollen wir uns nicht durch tendenziöse und verantwortungslose Berichte zerstören lassen.

Interview: Canan Topçu

Datum:  12 | 2 | 2010
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