Frau Thies, das Kohlekraftwerk liegt auf Eis. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) haben es eingefroren, so lange es keine Finanzierung gibt. Kommt es quicklebendig oder in Todesstarre zurück? Es ist ein Leichnam. Und einen Leichnam wiederbeatmen zu wollen, ist keine gute Idee.
Wieso? Wir haben schon immer gesagt, dass es ökologischer Irrsinn ist. Jetzt kommt noch das ökonomische Argument dazu. Durch das Verhalten der Banken wird deutlich, welch hohes finanzielles Risiko der Bau wäre. Doch noch über eine Milliarde Euro zu investieren, wäre ein schwerer Fehler.
Rita Thies (Grüne) ist seit 2006 Umweltdezernentin der Stadt Wiesbaden. Von 1999 bis 2005 war sie Dezernentin für Schule und Kultur.
Die 49-Jährige führt die Klage der Stadt gegen den geplanten Bau eines Kohlekraftwerkes durch die KMW.
Der Wirtschaftswissenschaftler Uwe Leprich stellt am Dienstag, 27. Oktober, eine Studie vor, wie sich der Bau des Kohlekraftwerks auf Wiesbaden ausgewirkt hätte und was mögliche Alternativen sind.
So geht er der Frage nach, ob die Stromversorgung auch ohne das umstrittene Projekt gesichert ist. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus und ist öffentlich. (rio )
Jetzt wurde aber ein Schreiben der KMW-Anwälte publik, nach dem die KMW eine Genehmigung im Eilverfahren will. Dann würde auch die Finanzierung rasch klappen. Was ist da dran? Ich nehme das Schreiben der Rechtsanwälte durchaus ernst. Vielleicht ist es nur ein Spiegelgefecht. Aber genau so ist möglich, dass die KMW eben doch versucht, den Leichnam zu beatmen. Das kostet uns alle viel Geld für Auseinandersetzungen vor Gericht. Die Stadt, die klagenden Bürger und die KMW. Was da seitens KMW an Geld verpulvert wird, würde man besser nehmen und in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken.
Was ist die Spekulation der KMW, die hinter dem Anwaltsschreiben steckt? Will das Unternehmen den Bau nun oder will es ihn nicht? Ich lasse mich nie auf Spekulationen ein, wer was denkt. Fakt ist: Beide Städte haben sich wirklich eindeutig gegen das Kraftwerk positioniert. Das muss jetzt endlich auch von der KMW umgesetzt werden. Ihr Argument, sie würden sich nur an den wirtschaftlichen Interessen orientieren, stimmt doch nicht mehr.
Warum? Es stimmt nicht mehr, dass der Bau im Interesse der KMW wäre. Das Projekt ist viel zu riskant. Und der Vorstand hat auch eine Verantwortung, die 300 Arbeitsplätze des Unternehmens zu sichern. Auf das Kohlekraftwerk dabei als einzige Option zu setzen, ist unverantwortlich.
Und was wären die Alternativen, die die KMW umsetzen sollte? Der Vorstand muss sich endlich daran machen, das bereits genehmigte Gaskraftwerk zu bauen. Außerdem muss er zusehen, dass die KMW ihren Fuß in die erneuerbaren Energien reinkriegt.
Taugen die denn wirklich, um die Stromversorgung in der Region zu sichern? Also erstmal: Die angebliche Versorgungslücke, die gibt es nicht. Es wird in Deutschland auch in Zukunft genug Strom produziert. Die Stadt hat einen unabhängigen Experten beauftragt herauszufinden, ob es demnächst eine solche Versorgungslücke in der Region gibt. Das ist nicht der Fall. Der Saarbrücker Professor Uwe Leprich wird die Ergebnisse am Dienstag vorstellen.
Und? Der Bau von Kohlekraftwerken ist wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Das haben auch mittlerweile ganz andere festgestellt. RWE hat zum Beispiel angekündigt, in Westeuropa keine Kohlekraftwerke mehr bauen zu wollen. Wenn das für einen solchen Konzern zu riskant ist, wie sollte es das dann für ein kleines Unternehmen wie die KMW nicht zu riskant sein?
Jetzt ist die KMW recht festgefahren in Richtung Kohlekraftwerk. Ist denn den Vorständen Ralf Schodlok und Werner Sticksel noch zuzutrauen, den Weg in Richtung Gas und erneuerbare Energien einzuschlagen? Herrn Schodlok traue ich das zu.
Interview: Mario Thurnes

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