kalaydo.de Anzeigen

Kampf gegen Kohlekraftwerk: Wer zuletzt lacht ...

Zuerst wurden sie belächelt, jetzt lachen sie. Die Gegner des Kohlekraftwerks auf der Ingelheimer Aue schreiben eine Erfolgsgeschichte des zivilen Widerstands. Von Mario Thurnes

Bei einer Demo gegen das Kohlekraftwerk sind im Mai fast 4000 Menschen in Mainz auf den Beinen.
Bei einer Demo gegen das Kohlekraftwerk sind im Mai fast 4000 Menschen in Mainz auf den Beinen.
Foto: FR/Schick

Echte Heldengeschichten fangen aussichtslos an. So auch die der Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz (Koma): Eine Gruppe Interessierter - vielleicht fünf, bestenfalls 20 Leute. Eine Mehrheit der Mainzer und Wiesbadener, die gar nicht mitbekommen hat, dass zwischen beiden Städten ein Kohlekraftwerk gebaut wird. So die Situation im September 2006.

Das hat sich geändert. Gründlich. Der Kampf um und gegen das Kohlekraftwerk hat beide Städte politisch umgepflügt: In Wiesbaden wäre beinahe die Rathaus-Koalition aus CDU, FDP und Grünen daran gescheitert. In Mainz arbeiteten CDU und SPD vorher zusammen, heute wollen sie nach eigener Auskunft auf keinen Fall mehr miteinander in eine Koalition.

"Der erste Schritt", so sagte Koma-Sprecher Patrick Hassenpflug in einem FR-Interview 2006, "ist es, Öffentlichkeit herzustellen und das Thema in die Politik zu tragen". Die meint damals noch mehrheitlich, es sei Sache der kommunalen Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW), ob sie bauen wolle oder nicht.

Der Natur der Sache folgend sind es die Grünen in beiden Städten, die zuerst Position beziehen. Dann folgt im Januar 2007 der erste spektakuläre Wechsel: Der Interimsvorsitzende Jörg Jordan bringt die krisengeschüttelte Wiesbadener SPD auf Anti-Kohle-Kurs und landet gleich einen Coup: Während die Mainzer Rats-Sitzung läuft, veröffentlicht er eine Mitteilung, die besagt: Kraftwerk wird größer, teurer, schmutziger. Damit überrumpelt er die Befürworter und bringt sie in eine PR-Defensive, aus der sie nie wieder richtig herauskommen.

Im März 2008 der zweite Wechsel: Jetzt ist auch die Mainzer CDU gegen das Kraftwerk. Dazwischen lag hartnäckige PR-Arbeit der Initiative. Sie demonstriert, beherrscht aber auch subtilere Formen des Widerstands: Als im Januar 2009 der KMW-Antrag offengelegt wird, stellt Koma Muster für Einwendungen ins Internet. Der Nutzer muss nur ausdrucken, unterschreiben, wegschicken. So steigt die Zahl der Einwendungen anfangs auf 60000. Die Mainzer CDU-Chefin Andrea Litzenburger sagt später, diese Zahl habe sie zur Umkehr bewegt.

Zwischenzeitlich gründet sich die BI Kein Kohlestrom für Wiesbaden. Ärzte, Wirtschafts- und Naturwissenschaftler protestieren. Beide Parlamente fassen etliche Beschlüsse gegen den Bau. Die Wirtschaftskrise bringt ihn ins Stocken. Aber nicht nur: Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne erzählt von Bankern, die fragen: "Wieso baut ihr ein Kohlekraftwerk, wenn eure Teilhaber dagegen sind?" Ohne die Initiativen wäre das kaum passiert.

Autor:  Mario Thurnes
Datum:  29 | 9 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Anzeige

Top Stellenangebote

Anzeige

 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Eintracht Frankfurt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
        

In seinen Hochzeiten auch Eintracht-Kapitän: Chris.
Eintracht Frankfurt 
Eintracht Frankfurt zieht Bilanz 

Frankfurter Rundschau im Abo