Das krisenfeste Krankenhausgeschäft verschafft dem Klinikbetreiber Rhön-Klinikum auch in der Rezession Gewinn- und Umsatzsteigerungen. Um genügend Mittel für eine 2010 erwartete Privatisierungswelle im Krankenhausmarkt zu haben, will der in Neustadt an der Saale ansässige Konzern sein Kapital um rund 460 Millionen Euro erhöhen. Denn Rhön rechnet damit, dass sich die Finanzlage der öffentlichen Träger im Zuge der Wirtschaftskrise stark verschlechtern wird. "Wir rüsten uns für eine größere Privatisierungswelle, die nach der Bundestagswahl einsetzen wird", sagte Vorstandschef Wolfgang Pföhler in dieser Woche.
Rhön betreibt bundesweit 48 Krankenhäuser - in Hessen außer dem Universitätsklinikum Marburg-Gießen die Aukamm-Klinik und die Stiftung Deutsche Klinik für Diagnostik, beide in Wiesbaden. Aktuell interessiert sich das Unternehmen unter anderem für die beiden kommunalen Kliniken Eschwege und Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis. Die kommunale Gesundheitsholding Nordhessen hatte sich zwar im Bieterverfahren gegen mehrere private Ketten durchgesetzt - zuletzt auch gegen Rhön.
Doch das Bundeskartellamt hat dem Klinikverbund Nordhessen eine Übernahme untersagt. Die Holding hat Beschwerde eingelegt. Außerdem drängt der Rhön-Konzern in die ambulante Versorgung. Rhön-Klinikum-Vorstandsmitglied Christoph Straub hatte jüngst bei einer Veranstaltung in Kassel den Ausbau so genannter Medizinischer Versorgungszentren angekündigt. Geplant seien unterschiedliche Kooperations- und Beteiligungsangebote an Ärzte, auch die Übernahme weiterer Arztsitze in Hessen. Derzeit halte Rhön schon 15 Arztsitze in Gießen, Marburg und Wiesbaden.
Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Rhön einen Konzerngewinn von 65,8 Millionen Euro - ein Plus von gut sechs Prozent binnen Jahresfrist. Der Umsatz nahm um fast neun Prozent auf 1,14 Milliarden Euro zu. Der Konzern ist in neun Bundesländern aktiv. Er betreibt einfache Stadtkrankenhäuser und Spezialkliniken. Für das laufende dritte Quartal erwarte er ein Wachstum "von drei Prozent plus X", sagte Pföhler.
Rhön will mit der Kapitalerhöhung ausschließlich weiteres Wachstum finanzieren. Dafür könne Rhön einschließlich Fremdkapital rund eine Milliarde Euro für Zukäufe mobilisieren, sagte Pföhler. Es gebe schon konkrete Gespräche, bereits in diesem Jahr seien Klinik-Übernahmen nicht auszuschließen. In der vergangenen Rezession hatte Rhön nach früheren Angaben fast 20 Kliniken für 960 Millionen Euro übernommen. jur/rtr

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