Der doppelte Triumph von Kathryn Bigelows Irakkriegsdrama "Tödliches Kommando" in den Kategorien Beste Regie und Bester Film kam nicht ganz unerwartet. Viele amerikanische Beobachter hatten zuletzt auf den spät berufenen Außenseiter gesetzt und ihm größere Chancen eingeräumt als dem Zukunftsfilm "Avatar", immerhin dem erfolgreichsten Werk der Hollywoodgeschichte.
Und doch verblüffte die Eindeutigkeit, mit der die Mitglieder der Filmakademie gegen James Camerons Phantasie und für den Realitätssinn seiner ehemaligen Ehefrau Bigelow votierten. Conferencier Steve Martin, der gemeinsam mit Alec Baldwin durch den Oscar-Abend geführt hatte, landete seinen letzten und besten Scherz, als er die Dimensionen von Entscheidung und Gala auf einen Nenner brachte: "Diese Show war so lang, dass Avatar jetzt bereits in der Vergangenheit spielt".
Schon zur Bekanntgabe des als sicher eingeschätzten Regiepreises an Kathryn Bigelow hatte man sich einen dramaturgischen Coup einfallen lassen: Die Öffnung des Umschlages war mit Barbra Streisand einer Regisseurin anvertraut worden, die gerne selbst einmal als erste Frau diesen Preis bekommen hätte: 1992 war sie für "Herr der Gezeiten" nominiert gewesen, 1984 mit ihrem anspruchsvollen Musical "Yentl" vollkommen übergangen worden. Die Nennung der Gewinnerin unterbrach sie mit einem feierlichen: "Die Zeit ist gekommen". Und das am Vorabend des Weltfrauentags.
Man kann sich tatsächlich fragen, warum es so lange dauern musste, bis eine Regisseurin den Oscar erhalten hat. Die einfachste Antwort auf diese Frage ist wohl, dass Kathryn Bigelow unter Filmliebhabern bereits seit zwei Jahrzehnten als beste Regisseurin Amerikas gilt, aber noch nie einen typischen "Oscar-Film" drehte: Da sie stets im Genrekino arbeitete, trat ihre tatsächlich unverkennbare künstlerische Handschrift weniger offen zu Tage, als dies im Autorenfilm europäischer Prägung möglich gewesen wäre.