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Kelsterbach: Ausbaugegner zelten am Mönchwaldsee

Auch nach der Räumung des Camps von Flughafenausbaugegnern im Kelsterbacher Wald protestieren weiterhin Aktivisten unter freiem Himmel. Meike Kolodziejczyk hat sie besucht.

Die Flugahefenausbaugegner sind nach der Räumung ihres Camps durch die Fraport an den Mönchwaldsee bei Kelsterbach umgezogen.
Die Flugahefenausbaugegner sind nach der Räumung ihres Camps durch die Fraport an den Mönchwaldsee bei Kelsterbach umgezogen.
Foto: Michael Schick

Wie Baumrinde sehen sie aus, die braunen Placken auf den Papptafeln. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Füßchen, Wirbel, abgespreizte Schenkel. Froschkadaver sind mit Reißzwecken an die Tafeln gespießt; Dutzende der derzeit laichenden Amphibien, platt gefahren - so die Aufschrift des bizarren Monuments - von Wagen der Polizei und Sicherheitsdienste. Schließlich ist im Kelsterbacher Wald sonst niemand motorisiert unterwegs.

Spaziergänger und Radfahrer kommen vorbei, bleiben stehen am Stand der Bürgerinitiativen, blättern in den ausgelegten Broschüren, spenden Geld und Material, schauen, wie sich die Flughafenausbaugegner an der Mahnwache so eingerichtet haben. Jetzt, wo es endlich wärmer wird.

"Die Mahnwache erfüllt ihren Zweck als Informations- und Vernetzungspunkt", sagt die Aktivistin Nadja Abel. Seit die Fraport mehr als 200 Hektar Wald für die geplante Nordwestlandebahn abholzen und das Widerstandscamp am 18. Februar räumen ließ, haben die Ausbaugegner ihr Protestzentrum ans Ufer des Mönchwaldsees verlagert.

Ordnungsamt verlängert Genehmigung für Mahnwache

Im Schnitt zehn Aktivisten verbringen dort weiterhin Tag und Nacht im Wald. Erst kürzlich hat das Ordnungsamt die Genehmigung für die Mahnwache bis 31. Mai verlängert. Über mangelnden Besuch und Zuspruch aus der Bevölkerung könnten sie sich nicht beklagen, sagt Abel. "Manche sind allerdings erst jetzt aufgewacht."

Ähnlich wie die Primeln, die im Beet am Wegesrand blühen, neben Salat- und Kohlrabiblättern, Rosmarin und Zitronenmelisse. Hinter dem Gärtchen reflektieren Zeltplanen die Sonnenstrahlen, die sich durch die noch kahlen Baumwipfel bohren, links davon schimmert lagunenblau der See. Die Vögel zwitschern, dazu gibt's Kaffee und Kuchen.

Die pure Frühlingssonntagsidylle - abgesehen von den Trockenfröschen vielleicht. Und dem konstanten Brummen in der Luft, das allenthalben zu einem Dröhnen anschwillt, wenn ein Flugzeug über den Wald donnert. Oder vielmehr: Darüber, was vom Wald übrig ist.

Immerhin ein Teil steht noch, "weil es das Camp gab und wir da waren", sagt Ausbaugegner Sascha Friebe. Das habe ihm sogar die Polizei bestätigt. Aus naturschutzrechtlichen Gründen darf die Fraport erst im September wieder Bäume fällen. "Wichtig ist, dass der Protest bis dahin weitergeht."

Über das Wie zermartert sich das Plenum die Köpfe. Knapp 30 Menschen hocken am frühen Abend auf Matratzen und Sesseln zusammen: ehemalige Campbewohner, BI-Mitstreiter, Vertreter von Umweltschutzverbänden, Bürger. Ein Fest auf der Okrifteler Straße soll es geben, so lange diese noch bis Ende Mai gesperrt ist. Der 26. April, der Tag nach dem "Internationalen Tag des Baumes", ist zum "Tag des gefällten Baumes" erklärt, die Ausbaugegner laden ein zur Kundgebung.

Geplant seien zudem Veranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen, kündigt Nadja Abel an. Neue Transparente malen steht diesen Sonntag auf dem Programm. Die junge Frau kniet vor einem Bettlaken und zieht mit dem Pinsel einen Schriftzug nach: "Wir fliegen erst aus, wenn Fraport geht."

Doch die Flughafenbetreiberin verteidigt, wenige hundert Meter entfernt am Rodungsgelände, ihr Ansinnen ebenfalls, allerdings nicht mit Primeln und Bannern. Sondern mit Doppelreihen von Sperrgattern, Stacheldraht und Überwachungskameras.

Autor:  MEIKE KOLODZIEJCZYK
Datum:  7 | 4 | 2009
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