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Kelsterbach: Fraport bekommt weniger Wald

Die Stadt Kelsterbach verkauft für den Flughafenausbau nicht so viel Forst wie geplant, weil die Bürger nein sagten. Von Frank Schuster

Kahlschlag am Flughafen: Hinter dem Zaun ist der Wald für die neue Landebahn gerodet.
Kahlschlag am Flughafen: Hinter dem Zaun ist der Wald für die neue Landebahn gerodet.
Foto: Monika Müller

Die Stadt Kelsterbach plant, etwa 40 Prozent weniger an städtischen Waldflächen an Flughafenbetreiber Fraport zu verkaufen als ursprünglich geplant. Das gab Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) am Mittwoch bekannt. Er kommt damit dem Ergebnis eines Bürgerentscheids vom 5. Juli 2009 entgegen, als sich eine Mehrheit von 61,7 Prozent der Kelsterbacher gegen den vom Magistrat geplanten Deal ausgesprochen hatte, jedoch knapp - mit 264 Stimmen - am nötigen Quorum von 25 Prozent aller 9900 Wahlberechtigten gescheitert war. "Wir sind nun einen wesentlichen Schritt auf die Bürger zugegangen", sagte Ockel am Mittwoch.

Statt 258 Hektar Wald, wie es das ursprünglich mit Fraport ausgehandelte Eckpunktepapier vorgesehen hatte, sind es in dem neuen nur noch 163 Hektar. Die Waldflächen südlich der geplanten Nordwestlandebahn sollen nicht verkauft oder mit Flächen nördlich der Bahn getauscht werden.

Zudem plant der Magistrat, ein eigenes Schallschutzprogramm aufzulegen und einen Lärmschutzbeirat mit Bürgerbeteiligung zu installieren. Das Stadtparlament muss am 22. März allerdings noch über die Magistratspläne abstimmen. Mit einer Mehrheit dafür ist zu rechnen, weil sich sowohl SPD als auch CDU für den Verkauf aussprechen. "Mittlerweile hat wohl auch jeder eingesehen, dass der Bau der Landebahn nicht mehr zu verhindern ist", sagte Ockel unter Verweis auf das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, das für den Bau eines dritten Terminals im August grünes Licht gab.

Der SPD-geführte Kelsterbacher Magistrat war eigentlich stets gegen den Flughafenausbau. Als sich jedoch abzeichnete, dass der Kampf aussichtslos schien, entschied sich Ockel für den Verkauf, um wenigstens noch viel Geld für den zum Abholzen vorgesehenen Wald zu kriegen. Nach dem neuen Eckpunktepapier erhält die Stadt rund 28,4 Millionen Euro - 2,2 Millionen weniger als nach dem ursprünglichen. Laut Ockel wären es bei einer Enteignung nur zwischen acht und zwölf Millionen Euro gewesen. Einen Teil der Einnahmen will die Stadt für Lärmschutz ausgeben.

Die Bürgerinitiativen reagierten mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei das neue Eckpunktepapier "ein deutlicher Schritt nach vorne", sagte BI-Sprecher Jens Wiegand. Andererseits fühlen sich die Initiatoren des Bürgerentscheids vor vollendete Tatsachen gestellt, weil nach einer vom Magistrat eilig für den 17. März einberufenen Bürgerversammlung das Parlament schon am 22. März über das Papier abstimmt.

Autor:  Frank Schuster
Datum:  11 | 3 | 2010
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