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Kelsterbacher Wald: Polizisten räumen Widerstandscamp

Das Ende des Camps der Flughafengegner ist besiegelt. Der Räumungsbeschluss liegt vor. Die Polizei rückt den Aktivisten mit Hebebühnen und Spezialkräften zu Leibe.

Polizisten im Kelsterbacher Wald am 13. Februar.
Polizisten im Kelsterbacher Wald am 13. Februar.
Foto: ddp

Kelsterbach. Einsatzkräfte der Polizei haben mit der Räumung des Protestcamps im Kelsterbacher Wald begonnen. Das Gelände sei hermetisch abgeriegelt, sagte der Sprecher der Aktivisten, Sascha Friebe, am Mittwoch auf ddp-Anfrage.

Etwa 100 Polizisten arbeiteten sich seit dem Morgen von Baumhaus zu Baumhaus. Zu den Beamten gehören auch technische Spezialkräfte, die in der Lange sind, Demonstranten von Bäumen zu holen.

Die Polizei bestätigte die Räumungsaktion. Um 7.30 Uhr hat ein Gerichtsvollzieher begonnen, den Räumungsbeschluss zu verlesen, den Fraport vor dem Landgericht Darmstadt am Tag zuvor erwirkt hatte.

Nach Angaben eines Sprechers der Umweltorganisation Robin Wood, die ein Baumhaus im Kelsterbacher Wald installiert hat, kletterten drei Polizisten an Bäumen hoch und zerschnitten die Seilbrücken.

Ende des Kelsterbacher Camps (Februar 2009)

Bildergalerie ( 27 Bilder )

In zwei Baumhäusern sind laut einem Fraport-Sprecher noch weniger als zehn Menschen. Der Ausbaugegner Sascha Friebe sagte, dass sich einige Demonstranten in den Baumhäusern angekettet hätten.

Mit Hebebühnen würden die Polizisten auf die Plattformen gehievt. Derzeit halten sich nach Angaben von Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses der Bürgerinitiativen, rund 40 Aktivisten im Camp auf. Die Abriegelung führt sie darauf zurück, dass die Polizei keine Zeugen wolle. "Die wollen keine Zuschauer haben", sagte Kopp.

Die Bäume auf dem Gelände des Protestcamps werden nach Fraport-Angaben nicht sofort gerodet, sondern voraussichtlich erst im Herbst. Das Gebiet müsse zunächst vermessen und nach Kampfmitteln abgesucht werden, sagte ein Fraport-Sprecher. Bereits im Januar hatte der Flughafenbetreiber mit den Fällarbeiten für den Bau der neuen Landebahn begonnen.

Grüne: "Räumung ist übereilt"

Die Grünen kritisierten die Räumung des Camps scharf. "Mit der heutigen Räumung des Camps im Kelsterbacher Restwald schaffen CDU/FDP-Landesregierung und Fraport heute endgültig vollendete Tatsachen ohne die juristische Entscheidung im Hauptverfahren abzuwarten", sagte ein Sprecher der Landtagsfraktion. Die Räumung sei eine übereilte Maßnahme, die aufgrund sinkender Fluggast- und Frachtzahlen nicht nötig sei.

Die Gemeinde Kelsterbach hat den Aktivisten inzwischen ein rund 500 Meter vom derzeitigen Camp entferntes Gelände angeboten, um dort das Lager aufzuschlagen. Dort sollen allerdings nur Wohnwagen und Zelte, jedoch keine Hütten geduldet sein. Aktivisten-Sprecher Friebe kündigte an, das Angebot anzunehmen. Das Alternativ-Camp liege nicht auf dem von Fraport beanspruchten Gelände.

Die Rodungsarbeiten zum Ausbau des Frankfurter Flughafens hatten nach einem mehr als zehnjährigen politischen und juristischen Tauziehen am 20. Januar begonnen. Die Aktivisten hatten seit dem Mai vergangenen Jahres in dem Camp ausgeharrt, wo sie in Zelten lebten und Holzhütten bauten.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte Anfang Januar einen Eilantrag der Umweltverbandes Bund gegen die Baugenehmigung für die vierte Landebahn abgewiesen und damit die vom Flughafenbetreiber Fraport beantragte Rodung des Geländes im Kelsterbacher Wald zugelassen. Seitdem mussten die Waldbesetzer ständig mit der Räumung des Geländes rechnen. (ap/ddp/dpa)

Datum:  18 | 2 | 2009
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