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Kino und Fernsehen: Bond, Bianca und Hitler

Wie müssen wir uns heute den Alltag der 1970er vorstellen? Verklemmt? Spießbürgerlich? Im Fernsehen machen Derrick und die "kleine Farm" Quote.

Travoltas Hüftschwung
Travoltas Hüftschwung

Nein, die Welt ist 1977 auf deutschen Kinoleinwänden und Fernsehbildschirmen nicht in Ordnung. Aber es gibt die Sehnsucht nach zupackenden Helden, die sie effektiv und unterhaltsam wieder in Ordnung bringen.

Die kommerziell erfolgreichsten Kino-Heroen des Jahres sind zwei Polizisten - keine Bullen, Mäuse - Disneys Trickfilm-Ermittler "Bernard und Bianca" bringen ein entführtes Mädchen zu seinen Eltern zurück. Dicht gefolgt in den Kino-Charts von James Bond Roger Moore. In "Der Spion, der mich liebte" praktiziert er vorausschauend Entspannung und jagt mit einer attraktiven russischen Agentin (Barbara Bach) einen Schurken, der Atom-U-Boote stiehlt.

"Hitler, ein Film aus Deutschland"

Im Fernsehen löst der "Alte" den "Kommissar" ab, Derrick, Kojak, Detektiv Rockford sind im Kampf gegen das Verbrechen die Quotenbringer. Ansonsten ermöglichen uns die "kleine Farm" oder "Klimbim" Fluchten aus den Dramen des Alltags. Nicht zu vergessen der Dauerbrenner "Die Waltons" - zu Unrecht als Heile-Welt-Seifenoper gescholten. Der Mikrokosmos der Großfamilie wird durchdrungen von der großen weiten Welt - mit beunruhigenden Nachrichten aus Europa und dem sich anbahnenden Zweiten Weltkrieg. Anders als im richtigen Leben geht in Waltons Mountains am Ende doch alles gut aus: Gute Nacht, John Boy.

Was die Deutschen 1977 sonst noch sehen wollen? Kopfnüsse von Bud Spencer, Travoltas Hüftschwünge, den Kampf von Feldwebel Steiner im Russlandfeldzug oder die Teufelsaustreibung beim "Exorzisten II". Dämonen, Disco, Action - Eskapismus. Außerdem kommen gleich zwei Filme über Hitler in die Kinos, die beide hitzige Debatten entfachen. Der eine, "Hitler, ein Film aus Deutschland" von Hans Jürgen Syberberg, ist eine siebenstündige Melange aus Projektionen von Dokumentaraufnahmen aus der Nazizeit sowie Theater-Sequenzen und Statements von André Heller und anderen. In der deutschen Kritik als politisch naiv gescholten, wird er im Ausland positiv bewertet.

Der andere, "Hitler - eine Karriere", orientiert sich an der Hitler-Biografie von Joachim Fest und verwendet ausschließlich Originalaufnahmen und Wochenschaumaterial. Die Kritiker monieren, der Film bestehe aus alten Nazi-Propagandafilmen und befördere so genau jenes Ansinnen, das er zu kritisieren vorgebe. art

Datum:  5 | 9 | 2007
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Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

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