Klaus-Uwe Gerhardt rechnet sich keine Chancen aus, als Direktkandidat für Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag einzuziehen. "Ich lächle für die Partei", sagt er humorvoll. Seine Listennotierung - er rangiert auf Platz 16 - wird voraussichtlich nicht ausreichen. Das bedeutet nicht, dass der 54 Jahre alte Berufsschullehrer an der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen nicht vehement für die Ziele seiner Partei kämpft.
Seine Erklärungen verraten Leidenschaft für die Sache. Warum die Republik den gesetzlichen Mindestlohn brauche - der aber nicht ausreiche, weil Teilzeitarbeit keinen auskömmlichen Lohn sichere. Und dass das bedingungslose Grundeinkommen hermüsse: Da spricht einer, der 100-prozentig überzeugt ist. Gerhardt war einer der ersten, die in den 80er Jahren das garantierte Mindesteinkommen mit Veröffentlichungen in die Diskussion brachten. Auch als Lehrer für Wirtschaft ist sein Spezialgebiet Arbeitspolitik. Am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung promovierte er 2006 über den Zusammenhang von Wachstum und Sozialstaatlichkeit.
Dass die Grünen in vier Jahren eine Million neuer Jobs schaffen wollen, dafür steht er ein. Ebenso für längeres gemeinsames Lernen und mehr Ganztagsschulen. Gerhardt ist Mitglied in mehreren Arbeitsgemeinschaften für Bildung und schulpolitischer Sprecher der Kreistagsfraktion. Zudem setzt er sich dafür ein, dass Eltern wählen können, ob ihr Kind eine Schule mit verkürzter Gymnasialzeit besucht oder nicht. Dass sein Gegenkandidat der CDU, Peter Wichtel, wie er aus Obertshausen stammt, spornt den Grünen richtig an. "Das ist mein Reizkandidat", sagt er, "denn unter ihm als Betriebsratsvorsitzender wurde der Niedriglohnsektor ausgebaut."
Außerdem hält er Wichtels Position zum Nachtflugverbot für unaufrichtig. Da auch die SPD für den Flughafenausbau sei, empfiehlt Gerhardt dieses Mal nicht, strategisch zu wählen und Erst- und Zweitstimme auf Grüne und SPD zu verteilen. Gerhardt ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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