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Kohlekraftwerk: Baue jetzt, zahle später

Die Bagger buddeln schon. Doch noch hat Bauherr KMW die nötige Milliarde für sein Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue nicht zusammen. Von Mario Thurnes

Ein Bagger entsorgt an der Stelle, an der ein neues Kohlekraftwerk entstehen soll, alte Beton-Platten.
Ein Bagger entsorgt an der Stelle, an der ein neues Kohlekraftwerk entstehen soll, alte Beton-Platten.
Foto: dpa

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) hat mit dem Bau des Kohlekraftwerks begonnen, obwohl dem Unternehmen mindestens eine Milliarde Euro fehlen. Die Gespräche mit den Banken laufen noch.

"Wir sind auf einem guten Weg", sagt KMW-Sprecher Michael Theurer dazu. Rund 200 Millionen Euro Eigenkapital besitzt die KMW nach FR-Informationen. Hinzu kommen je 25 Millionen Euro der Stadtwerke in Mainz und Wiesbaden. Theurer kommentierte die Zahlen nicht, sagt aber: "Wir haben Eigenmittel, wir brauchen keine Fremdmittel, um anzufangen." Insgesamt kostet der Bau nach FR-Informationen zwischen 1,25 und 1,45 Milliarden Euro.

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"Wir haben nicht über eine Milliarde Euro auf der Bank - das ist keine Neuigkeit, das ist eine Banalität", sagt Theurer. Ob die KMW das Land um Geld bitte, wenn die Banken keines geben, kommentierte der KMW -Sprecher nicht. Der Vorsitzende des "Bündnis für eine kohlekraftwerksfreie Region Mainz-Wiesbaden", Marc Legg, wertet den Baubeginn als "letzten Befreiungsschlag". Nach den schlechten Nachrichten der vergangenen Tage hätte die KMW den Banken ein positives Zeichen geben wollen, die das Kraftwerk finanzieren sollen. "Also lässt man nun die Bagger hin- und her rollen."

Millionenschwerer Wahlkampfbluff

Der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig Josef Albinus hält die bisherige Kalkulation der KMW für überholt: "Die Folgen des Ausstiegs der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE) aus der Liefervereinbarung mit der KMW müssen stärker hinterfragt werden." Vor Ort werde kaum Kohlestrom verkauft. Ob die KMW ihn an überregionale Anbieter weitergeben kann, sei fraglich. Die KMW kalkuliere bisher mit einem alten Strompreis, der höher ist als der heutige. So werde sie ihn an der Leipziger Strombörse nicht los.

Einen möglichen, "millionenschweren Wahlkampfbluff" sieht die stellvertretende Vorsitzende der Mainzer Rathaus-Grünen, Tabea Rößner: "Die KMW handelt unter enorm hohem Risiko." Eines der laufenden Gerichtsverfahren könne das Projekt ganz stoppen. Die Vorsitzende der Wiesbadener Rathaus-Grünen, Bettina Schreiber, empfiehlt: "Die KMW täte gut daran, jetzt einmal innezuhalten und den Bau zu überdenken." Zum einen sieht Schreiber Risiken. Zum anderen sei es "ein Affront gegen die gesamte Bevölkerung", das Projekt gegen deren Willen durchzudrücken.

Die Mainzer Befürworter des Projektes schweigen. Auf Nachfrage teilten sowohl die Rathaus-SPD als auch das Büro von Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) mit, sie werden den Baubeginn nicht kommentieren. Bedingt stellte sich der Vorsitzender der Wiesbadener Rathaus-CDU, Bernhard Lorenz, hinter den Bau: "Wir bleiben bei unserer Gegnerschaft gegenüber fossilen Energien." Für eine Übergangszeit könne aber nicht darauf verzichtet werden.

Autor:  Mario Thurnes
Datum:  20 | 5 | 2009
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