Die SPD ist mit der Nordostumgehung in eine Sackgasse geraten. Sie hat erst die Stimmung der Bürger verkannt und dann versäumt, ihnen den Sinn der Trasse zu vermitteln. Dafür wurde sie gestraft - bei den Landtagswahlen wie bei der Europawahl.
Für FDP und Grüne hingegen wird die Trasse zur Überholspur. Bei den Straßengegnern hat die FDP ohnehin kaum Wählerpotenzial. Ihr vehementes Eintreten für die Umgehung stärkt die Liberalen dafür bei den Trassen-Befürwortern.
Auch die Grünen bedienen ihre Zielgruppe und machen Front gegen den Straßenbau. Das treibt ihnen auch verprellte SPD-Anhänger zu. Das war schon bei der Landtagswahl zu erkennen. Mit der Europawahl dürfen sich die Grünen vollends bestätigt sehen. Sogar ihre Bundesführung in Berlin brüstet sich damit, in Darmstadt stärkste Kraft zu sein.
FDP und Grüne können nur gewinnen, wenn sie über die Nordostumgehung die Koalition opfern. Den Schaden trägt die SPD allein. Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) hat das erkannt und noch versucht, das Steuer rumzureißen. Er muss die Koalition retten, um die SPD zu retten und womöglich sogar sich selbst. Denn hält die Wählerstimmung bis zur Kommunalwahl 2011, hätte ein grüner OB-Kandidat gute Chancen, Hoffmann zu beerben.

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