Mit Joe Biden als Vize-Kandidat hat Barack Obama gewiss nicht viel falsch gemacht. Viel gewonnen aber hat er auch nicht. Eine Sensation wären Hillary Clinton oder Al Gore gewesen. Biden ist von kleinerem Kaliber. Ein altgedienter Senator, solide, ohne Begeisterung zu wecken: Bei der Iowa-Vorwahl erhielt er 0,9 Prozent der Stimmen. Im Wahlkampf steuert Biden Erfahrung bei. Im Weißen Haus wäre er ein loyaler Vize, den mit 65 Jahren keine höheren Ambitionen plagen. Aber wie passt einer wie Biden zur Botschaft vom frischen Wind, der in Washington wehen soll?
Die Republikaner werden Obama den Rückgriff auf einen Washington-Insider als Schwäche auslegen. Tatsächlich hat er ganz andere Fehler gemacht. Er hat kluge Konzepte für eine ferne Energiewende, aber den Menschen das Gefühl gegeben, er nehme ihre aktuellen Benzinpreisängste nicht ernst. Und er fuhr in die Ferien, als die Kaukasuskrise im US-Wahlkampf zum Führungstest wurde. Ausbügeln kann er das nur selbst. Beim Parteitag in Denver darf auch Joe Biden eine Rede halten. Alle Augen aber richten sich weiter auf Obama.