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Kraftwerk Staudinger: Heißer Kampf um Kohle

Als Eisbären verkleidete Umweltschützer und Mitarbeiter von Eon stehen sich gegenüber. In Großkrotzenburg wird das Genehmigungsverfahren erörtert. Von Alexander Polaschek

Bei den beiden Demonstrationen pro und contra Staudinger-Ausbau treffen sich zwei gegensätzliche Meinungen. Der Demonstrant links ist als Eisbär verkleidet, um auf die negativen Auswirkungen des Kohlendioxid-Ausstoßes hinzuweisen - der Demonstrant rechts bangt um seinen Arbeitsplatz beim Kraftwerksbetreiber EON.
Bei den beiden Demonstrationen pro und contra Staudinger-Ausbau treffen sich zwei gegensätzliche Meinungen. Der Demonstrant links ist als Eisbär verkleidet, um auf die negativen Auswirkungen des Kohlendioxid-Ausstoßes hinzuweisen - der Demonstrant rechts bangt um seinen Arbeitsplatz beim Kraftwerksbetreiber EON.
Foto: dpa

Der Sensenmann ging um, Eisbären flehten um Schutz vor der Klimaerwärmung und dunkle Rauchschwaden stiegen auf: Kostümierte Umweltschützer sorgten am Dienstagmorgen für einen spektakulären Auftakt im Genehmigungsverfahren für den Neubau eines der weltweit größten Steinkohleblocks. Auch die Befürworter der Erweiterung des Eon-Kraftwerks Staudinger Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis) waren zum Beginn des öffentlichen Erörterungstermins vor dem Bürgerhaus in Sichtweite der Schlote aufmarschiert. Ortspolitiker und Eon-Belegschaft warnten vor der "Stromlücke" ohne den "Block 6".

Drei Wochen hat das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) für die Diskussion der über 8500 Einwendungen gegen den 1100-Megawatt-Block mit seinem 180 Meter hohen Kühlturm angesetzt. Die Entscheidung wird zum Jahreswechsel erwartet. Der Neubau soll laut Eon ab 2013 drei alte Blöcke mit zusammen 800 Megawatt ersetzen und wesentlich effektiver arbeiten. Der Wirkungsgrad betrage über 45 gegenüber 38 Prozent, warb Projektleiter Herbert Urban. Das bedeute 20 Prozent weniger CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde.

Das Großkrotzenburger Kohlekraftwerk Staudinger soll ausgebaut werden. Umweltschützer und Kraftwerksmitarbeiter demonstrieren pro und contra Ausbau.
Das Großkrotzenburger Kohlekraftwerk Staudinger soll ausgebaut werden. Umweltschützer und Kraftwerksmitarbeiter demonstrieren pro und contra Ausbau.
Foto: ddp

" Es wird schöngerechnet"

In den ersten Stunden der Erörterung mit rund 150 Teilnehmern hagelte es Kritik vor allem gegen das RP. Aus Sicht der Gegner werden die Umweltauswirkungen des Block 6 mit Billigung der Behörde schöngerechnet. Winfried Schwab-Posselt von der Bürgerinitiative Stopp Staudinger (BI), sagte, das RP agiere "als schlecht geschnitzte Marionette in den Händen der hessischen Landesregierung", die sich längst klar für den Bau positioniert habe. Die BI wirft dem RP vor, sich alleine auf Gutachten zu verlassen, die von Eon selbst beauftragt und bezahlt worden seien. Die Erörterung sei nur noch "eine politische Bühne". sagte Schwab-Posselt. Erst der anschließende Gerichtsentscheid werde das Projekt verhindern.

Gegen eine Genehmigung wandten sich wegen des erwarteten Schadstoffausstoßes auch der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Erich Pipa (SPD), und die Bürgermeister von Hanau, Hainstadt, Seligenstadt und Alzenau. Eon ziehe arrogant sein Vorhaben durch und sei für keinen Kompromiß zugänglich, beklagte Pipa, der einen kleineren Block vorgeschlagen hatte.

In den nächsten Tagen soll vor allem die Behauptung Eons auf den Prüfstand kommen, Staudinger werde mit Block 6 in der Summe "deutlich weniger Luftschadstoffe emittieren als heute". Hiergegen wendet der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein, die Ist-Werte seien künstlich hochgerechnet. Willkürlich sei ein Durchschnitt aus zehn Jahren ab 1996 mit anfangs sehr hohen Emissionen gebildet worden (siehe FR-Grafik). Der längst stillgelegte Block 2 sei damals noch in Betrieb gewesen, sagte BUND-Energieexperte Werner Neumann der FR. Weil einerseits die Gesamtbelastung im Rhein-Main-Gebiet wachse und andererseits die Grenzwerte gesenkt würden, könne die Region keinen Staudinger-Ausbau verkraften.

Autor:  Alexander Polaschek
Datum:  10 | 11 | 2009
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