Die Bürgerinitiative "Stopp Staudinger" wirft dem Mainzer Weihbischof Ulrich Neymeyr vor, er gebe seinen Namen und seine Funktion "für die Öffentlichkeitsarbeit der Firma Eon" her.
Initiativen-Mitglied Heinz Klein bezieht sich dabei in einem offenen Brief an Neymeyr auf eine Pressemitteilung des Kraftwerks Staudinger. Dort wird der Weihbischof nach einem Besuch mit dem Satz zitiert: "Wir haben hier am Standort das aufrichtige Bemühen erfahren, Lösungen zu finden, die die Belange aller Beteiligten in möglichst großem Umfang berücksichtigen."
Kleins Erwiderung: "Wir fragen uns, welche Belange und welche Beteiligten Sie meinen." Dabei zielt Klein zum einen auf die vieltausendfachen Proteste gegen die geplante Erweiterung des Kohlekraftwerks durch Block 6 ab, wodurch sich die Menge des Kohlendioxid-Ausstoßes von derzeit fünf auf dann acht Millionen Tonnen pro Jahr erhöhe.
Zum anderen erinnert der Vertreter der Initiative in seinem Brief nach Mainz an die "massiven Menschenrechtsverletzungen" in einem Kohleabbau-Gebiet in Kolumbien. Staudinger erhält aus Kolumbien rund ein Drittel seines jährlichen Steinkohlebedarfs von 1,6 Millionen Tonnen.
Klein versteht die Äußerung des Weihbischofs auch deswegen nicht, weil die katholische Kirche durchaus sehr kritisch zu der Problematik in dem südamerikanischen Staat steht. In einer aktuellen Dokumentation des katholischen Hilfswerks Misereor unter dem Titel "Energie - Macht - Hunger" befasst sich ein Beitrag mit der "Renaissance der Kohle".
Autor Sebastian Rötters, Referent für Bergbau der deutschen Sektion von "Fian" (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk), beklagt in dem Beitrag, dass Deutschlands Energiepolitik Menschenrechte zugunsten der Versorgungssicherheit ignoriere. In Kolumbien würden internationale Konzerne ohne Rücksicht auf die Menschen ganze Dörfer verschwinden lassen, um Kohle abbauen zu können.
Erst vor wenigen Tagen waren Betroffene aus Kolumbien zu Gast bei der Bürgerinitiative und hatten über die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Heimatland berichtet. Umso unverständlicher ist für die Initiative die Äußerung des Weihbischofs.

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