"High Potentials" als Malerkolonne? Die private European Business School reagiert auf die Kritik an der Millionenunterstützung durch Stadt und Land. Von Sabine Müller
Bald im Malerkittel in der Schimmel-Schule? Studentinnen an der EBS in Oestrich-Winkel.
Foto: FR/Schick
Bald im Malerkittel in der Schimmel-Schule? Studentinnen an der EBS in Oestrich-Winkel.
Foto: FR/Schick
Sabine Fuchs, Vizepräsidentin der Privathochschule European Business School (EBS) kann sich vorstellen, dass ihre Studenten heruntergekommene staatliche Schulen mit Malerarbeiten aufhübschen. Das sagte sie während einer Diskussion mit Vertretern der Lehrergewerkschaft GEW im Wiesbadener Presseclub.
Sie wolle zudem über den GEW-Vorschlag "nachdenken", ein Seminar "Fundraising für Wiesbadener Sanierungsschulen" an der Hochschule einzurichten. "Wir haben vor, in Wiesbaden präsenter zu werden, uns einzubringen", bestätigt EBS-Sprecherin Angela Kunwald die Aussagen der in Urlaub weilenden Geschäftsführerin. Für das Hochschulmanagement sei es vorstellbar, dass die Studenten Arbeitskraft zugunsten öffentlicher Schulen einbringen: "Wiesbaden hat Grund sich auf uns zu freuen."
Der GEW-Kreisverband Wiesbaden nimmt Fuchs und Kunwald streng beim Wort: "Wir sind gespannt, was aus ihren Zusagen wird", sagt GEW-Mitglied Hans-Joachim Barth. Die EBS habe es geschafft, Land und Stadt insgesamt 50 Millionen Euro Steuergeld "aus den Rippen zu quetschen".
Eine solch "hohe Kompetenz" bei der Akquise öffentlicher Gelder wünscht sich der Gewerkschafter auch für die Sanierungsschulen: "Vielleicht kann die EBS uns und den Schulleitern in einem Seminar zeigen, wie so was geht." Besser wäre es freilich, wenn die EBS die "clever eingesackten" Steuergelder den staatlichen Schimmelschulen und "dem Allgemeinwohl" zurückgebe.
EBS - Millionen für die Elite
Bildergalerie ( 21 Bilder )
EBS - Millionen für die Elite
Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und EBS-Präsident Christopher Jahns nach dem Law-School-Deal. Da hatten sie noch gut lachen. Gegen Jahns ermittelt inzwischen der Staatsanwalt wegen Untreue. Hahn ist Vorsitzender des Gründungskuratoriums Law School.
Foto: FR/Schick
Jahns und seine Geldgeber: Wiesbadens OB Helmut Müller und Hessens damaliger Finanzminister Karlheinz Weimar (beide CDU, v.l.). Müller ist Mitglied der EBS Gesellschaft Rheingau/Wiesbaden und war einige Zeit in deren Vorstand.
Foto: FR/Schick
Entstehen soll die juristische Fakultät der EBS auf dem Areal des alten Gerichtsgebäudes an der Moritzstraße.
Foto: dpa
Schickes Entree: 800 Studenten sollen hier ab 2013 Wirtschaftsrecht studieren.
Foto: Eller und Eller Architekten
Lageplan des EBS-Areals (Mitte) - im Osten liegt die Moritzstraße.
Foto: Eller und Eller Architekten
Ein Teil des alten Gebäudes soll erhalten bleiben (rechts), daran schließt sich der Neubau an.
Foto: Eller & Eller Architekten
Den Architektenwettbewerb hat das Büro Eller und Eller (Düsseldorf/Berlin) gewonnen. Ihre Fassade ist geprägt von hervorstehenden Großlamellen.
Foto: Eller & Eller Architekten
12.000 Euro pro Jahr kostet das Studium an der privaten "European Business School". Das Versprechen: Wer hier seinen Abschluss macht, gehört zum globalen Führungspersonal.
Foto: FR/Schick
Sitz der EBS war lange Jahre Oestrich-Winkel im Rheingau.
Foto: T. Weigelt
Seit Anfang 2009 ist die Business-Hochschule offiziell eine Wiesbadener Institution.
Foto: FR/Schick
Dafür hat die Stadt schon drei Millionen Euro auf den Tisch gelegt.
Foto: T. Weigelt
Richtig teuer wird für den Steuerzahler die neue juristische Fakultät (Law School). Alles in allem haben Wiesbaden und das Land Hessen der Bezahlhochschule dafür 50 Millionen Euro zugesagt.
Foto: FR/Schick
Idyllische Studienbedingungen bietet das Schloss Reichhartshausen in Oestrich-Winkel.
Foto: T. Weigelt
Hier sollen weiter die Wirtschaftswissenschaftler studieren.
Foto: FR/Schick
Edler Spender: Eines der EBS-Gebäude in Oestrich-Winkel ist nach Walther Leisler-Kiep benannt, einem der Protagonisten in der CDU-Schwarzgeldaffäre.
Foto: T. Weigelt
Weitere EBS-Impressionen aus Oestrich-Winkel.
Foto: T. Weigelt
Weitere EBS-Impressionen aus Oestrich-Winkel.
Foto: FR/Schick
Weitere EBS-Impressionen aus Oestrich-Winkel.
Foto: T. Weigelt
Weitere EBS-Impressionen aus Oestrich-Winkel.
Foto: T. Weigelt
Christopher Jahns verteidigt die Zuschüsse von Stadt und Land.
Foto: FR/Schick
Darauf einen Schampus: Stadt und Land schenken der privaten European Business School 50 Millionen Euro für ihre geplante "Law School" Wiesbaden.
Foto:
Eller & Eller Architekten
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Main-Taunus
Blockupy Frankfurt
Blockupy Frankfurt
Blockupy Frankfurt
Blockupy Frankfurt
Die Schimmel-Schulen von Wiesbaden
Bildergalerie ( 21 Bilder )
Die Schimmel-Schulen von Wiesbaden
Außerdem bröckelt der Putz gleich klumpenweise von den Wänden. Und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr: Die Schule am Rande des idyllischen Nerotals feiert 2009 ihren 50. Geburtstag.
Foto: FR/Müller
Mindestens genauso schlimm sieht es an der Kerschensteiner-Schule in Wiesbaden-Schierstein aus. Der stellvertretende Schulleiter Eickelmann zeigt die kaputte Drehbank.
Foto: Rolf Oeser
In der Ecke eines Klassenzimmers macht sich Schimmel breit.
Foto: Rolf Oeser
Schimmelgeruch liegt überall in der Luft. Wie alt das Haus tatsächlich ist, weiß keiner. Das dieses Gebäude keine Bleibe mehr sein kann, hat auch Hochbaudezernentin Rita Thies bei ihrem letzten Besuch festgestellt.
Foto: Rolf Oeser
Und trotzdem findet hier noch Unterricht statt.
Foto: Rolf Oeser
Wo man sich auch umschaut, überall wird deutlich, dass die Schule dringend renoviert werden muss.
Foto: Rolf Oeser
Hier ist das stille Örtchen der Lehrer. Der Affe auf der Fototapete macht auch schon ein richtig trauriges Gesicht.
Foto: Rolf Oeser
Wer in den Keller der Kerschensteiner-Schule hinabsteigt, glaubt sich im Gruselkabinett.
Foto: Rolf Oeser
Kaum zu glauben aber wahr: Der feuchtnasse Holzlagerraum im Keller ist mit giftiger Phosphorfarbe gestrichen. Sie leuchtet giftgrün.
Foto: Rolf Oeser
In der ehemaligen Toilette, im Keller des Gebäudes, stehen Farbeimer und Malersachen herum, die von irgendwelchen Renovierungsarbeiten übrig geblieben sind.
Foto: Ralf Oeser
Stichsäge, Drehbank, Standbohrmaschine, Schweißbänke - das alles und noch mehr dürfen die Schüler aus Sicherheitsgründen längst nicht mehr benutzen. Stattdessen üben sich etwa die Metalltechniker stundenlang im Feilen mit der Hand.
Foto: Rolf Oeser
Und auch hier kann es für die Schüler wieder gefährlich werden, denn die Stromleitung der Werkstatt wurde nicht richtig verlegt.
Foto: Rolf Oeser
Lehrer und Schüler haben die Kisten bereits gepackt.Denn eigentlich wollten sie vor Weihnachten hier raus. Dann sollte endlich das Atrium am Hauptsitz der Kerschensteinerschule in der Welfenstraße fertig renoviert sein. Doch dann kam das Aus: Baustopp wegen Geldmangels.
Foto: Rolf Oeser
Gleiches gilt für die Comeniusschule. In dem völlig maroden Gebäude sollen Schüler mit besonderem Förderbedarf auf das Leben vorbereitet werden.
Foto: Privat
Sitzt, passt und hat viel Luft: Schulleiter Bernhard Hofbeck an einem Fenster des maroden Pavillons.
Foto: FR/Oeser
Mut zur Lücke. Am Boden ...
Foto: FR/Oeser
Zum Biologie-Unterricht müssen die Schüler das Klassenzimmer nicht verlassen. Die Natur wächst ihnen durchs Fenster entgegen.
Foto: FR/Oeser
Und vor dem Nachhausegehen das Händewaschen nicht vergessen!
Foto: Privat
Seit Jahren vertröstet die Politik Lehrer und Schüler. Eigentlich sollte die Comeniusschule nach den Sommerferien einen Neubau erhalten. Doch das ist nun gestoppt. Die nötigen zehn Millionen Euro sind angeblich nicht mehr da. Zur Einordnung: Für die private Elite-Hochschule European Business School lassen Stadt und Land gleichzeitig mehr als 50 Millionen Euro springen.
Foto: Privat
Unter solchen Bedingungen lernen die Schüler an der Wiesbadener Johannes-Maaß-Schule: Stützbalken im Treppenhaus müssen verhindern, dass Schülern und Lehrern im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf fällt.
Foto:
FR/Müller
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Main-Taunus
Blockupy Frankfurt
Blockupy Frankfurt
Blockupy Frankfurt
Blockupy Frankfurt
Der GEW-Kreisverband kritisiert seit Monaten die Millionen-Unterstützung, die die private Hochschule für Wirtschaft für die Verlegung der Verwaltung von Östrich-Winkel nach Wiesbaden und den Aufbau einer juristischen Fakultät im ehemaligen Gerichtsviertel erhält - während dringende Neubauten maroder öffentlicher Schulen aus Geldmangel gestrichen wurden. Auch Eltern- und Schülervertreter sowie die Leiter betroffener Schulen protestierten heftig gegen die Mittelstreichungen.
Derweil hat die Stadt Wiesbaden den Weg der EBS hin zur zweiten Fakultät und künftigen Universität für Wirtschaft und Recht weiter geebnet: Die Wiesbadener Verkehrs- und Versorgungsholding (WVV) hat vorige Woche das Köllmann-Haus an der Mainzer Straße/Ecke Gustav-Stresemann-Ring gekauft. Nach der Sanierung des seit Jahren leerstehenden Gebäudes wird hier die EBS-Geschäftsführung und Verwaltung sowie das Aufbauteam für die juristische Fakultät einziehen, die im Sommer 2010 gegründet werden soll. Auch die im Söhnlein-Haus in Schierstein untergebrachten Fachbereiche Law, Governance, Economics sowie Finance, Accounting und Real Estate werden laut EBS-Sprecherin Kunwald hier ein neues Dach finden. Die ersten 200 Jurastudenten beginnen im Sommer 2011.
Der Mietvertrag mit der EBS laufe dreieinhalb Jahre mit zweimaliger Option auf je ein Jahr Verlängerung, so WVV-Geschäftsführer Rainer Schäfer. Die EBS wird solange an der Mainzer Straße bleiben, bis das Alte Landgericht saniert und der benachbarte Jurafakultäts-Neubau fertig ist. Das Köllmann-Haus ist nur eine Zwischenstation.
Laut Schäfer sei der Kaufpreis für die Immobilie mit 4500 Quadratmetern durch die Miete gerechtfertigt. "Wir werden schwarze Zahlen schreiben." Die WVV wolle das Haus aber nicht behalten, sondern nach der Sanierung für 1,6 Millionen Euro wieder veräußern. Zur Höhe des Kaufpreises wollte Schäfer sich nicht äußern.