Der Störfall im AKW Krümmel hat ironischerweise auch im von einigen als Atomendlager vorgesehenen Gorleben die Lichter ausgehen lassen und für beträchtliche Schäden gesorgt. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau legte die Panne im schleswig-holsteinischen AKW den Betrieb in dem Endlagererkundungsbergwerk drei Tage lang lahm.
Die Schnellabschaltung von Krümmel hatte offenbar einen jähen Spannungsabfall im Umspannwerk Lüchow ausgelöst, das den Erkundungssalzstock mit Energie speist.
Dort sorgte der kurze Strom-Crash für "Schicht im Schacht": zwei Seilfahrtanlagen gingen außer Betrieb, weil die Steuerungselektronik beschädigt war. Dabei wurden Steuerungsdaten für die Aufzüge gelöscht. Die Höhe des Schadens lässt sich bislang nicht beziffern. Im benachbarten Zwischenlager Gorleben, in dem - anders als im Endlagerbergwerk - bereits hochradioaktiver Müll deponiert ist, fiel der Strom hingegen nicht aus.
Man habe nachträglich zwar einen minimalen Spannungsrückgang registriert, der habe aber "keinerlei Auswirkungen" gehabt, sagte ein Sprecher des Zwischenlagerbetreibers der FR, "bei uns ist rein gar nichts ausgefallen". Dem Krümmel-Betreiber Vattenfall laufen unterdessen die Kunden weg.
So stieg beim Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick die Zahl der Neukunden seit dem Zwischenfall um rund 70 Prozent von 300 auf täglich 500. Zur Greenpeace Energy AG wechseln täglich allein 80 bis 90 Kunden aus dem Raum Hamburg. Auch andere Ökostromanbieter verzeichnen einen deutlichen Anstieg.
Eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke würde nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen nicht zu sinkenden Strompreisen führen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von Emnid im Auftrag von Greenpeace Ende Juni. Selbst 68 Prozent der CDU/CSU-Wähler versprechen sich durch längere Laufzeiten, wie sie vor allem Unions-Politiker fordern, keine niedrigere Stromrechnung.