Da blinkt es wieder, das "Leuchtturm-Projekt" der hessischen Landesregierung. Allerdings nicht so, wie Koch & Co es sich wünschen. Die Alarmsignale aus dem privatisierten Universitätsklinikum Gießen/Marburg leuchten zunehmend greller. Erst waren es niedergelassene Ärzte, Pfleger, Patienten, Studenten. Jetzt dringt auch der Unmut der Chefärzte nach außen. Sie sollen die Zeche dafür zahlen, dass der Rhön-Konzern am Personal spart, was dieser dementiert. Ordnen sie Überstunden an, drohen ihnen Gehaltskürzungen, hat ihnen die Geschäftsleitung bedeutet. Das hat zwangsläufig Folgen für die Versorgung der Patienten, für Wissenschaft und die Lehre.
Als Aktienunternehmen muss Rhön Geld verdienen. Sparen lässt sich in der Branche am besten am Personal. Verdienen allein an jenen "Kunden", wie die Patienten im Rhön-Jargon heißen, die Profit bringen. Die Folgen sind die von niedergelassenen Ärzten beklagte Drehtürmedizin und dramatische Einbußen bei der Qualität.
Rhön pickt sich die Rosinen heraus. Die in den beiden Kliniken arbeitenden Ärzte und Pflegekräfte trifft daran keine Schuld. Ihnen fehlt einfach die Zeit, sich angemessen um das Wohl ihrer Patienten zu kümmern. Das wird jetzt, mit den Regressdrohungen gegen die Chefärzte, gewiss nicht besser.
Kein Bundesland hat Hessens Leuchtturm-Projekt kopiert. Keine Landesregierung ist ein derart großes Risiko eingegangen, die Gesundheitsversorgung einer ganzen Region inklusive Wissenschaft und Lehre einem gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen zu überlassen. Die Aussichten stehen gut, dass das Beispiel Rhön keine Schule machen wird: Die Kritiker der Privatisierung haben sich über die Grenzen des Landes hinaus Gehör verschafft, arbeiten in bundesweiten Netzwerken mit. So standen auch Vertreter der Marburger Initiative "Notruf 113" am Rednerpult, als am vergangenen Sonntag im Münchener Olympiastadion rund 20000 Menschen gegen den Ausverkauf des dortigen Gesundheitswesens an Investoren protestierten. Dort hat sich gezeigt, dass der Widerstand gegen die zunehmende Ökonomisierung alle Chancen hat, sich zu einer bundesweiten Bürger-Bewegung zu entwickeln.
In Zeiten der Finanzkrise ist dieser Schulterschluss wichtiger denn je. Denn Rhön befindet sich weiter auf Einkaufs-Tour. Und hat besonders jene öffentlichen Kliniken im Visier, die sich mit roten Zahlen quälen. Die Manager geben sich aber längst nicht mehr mit der stationären Versorgung zufrieden. Zunehmend drängt die Aktiengesellschaft in den ambulanten Bereich. Unbestätigten Informationen zufolge sind allein in Marburg mehr als 20 so genannte Medizinische Versorgungszentren in Planung.
Das könnte mittelfristig das Aus für die meisten Facharztpraxen in der Region sein. Der Patient geht dann zu einem bei Rhön angestellten Arzt, der ihn in das von Rhön betriebene Krankenhaus überweist. Die freie Wahl des Arztes oder der Klinik ist dann Vergangenheit. Eine Horrorvorstellung.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick
Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.
Facebook | Twitter überregional | Google+