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Leitartikel: Gegen jede Vernunft

Die Hauptschule ist eine Verliererschule. Nicht, weil die Lehrer dort schlecht unterrichten würden. Sondern weil ihr Image ruiniert ist. Sie ist nicht zu retten. Von Peter Hanack

Peter Hanack ist bei der FR Stellvertretender Ressortleiter Region.
Peter Hanack ist bei der FR Stellvertretender Ressortleiter Region.
Foto: FR

Nein, mit einer Politik der ruhigen Hand, wie Kultusministerin Dorothea Henzler sie Hessens Schulen versprach, hat das nichts mehr zu tun. Die Nicht-Reform der Hauptschule ist eine Bankrotterklärung der Bildungspolitik dieser Landesregierung. Damit gibt sie jeden vorwärts gewandten Gestaltungswillens auf - offenbar begründet in der Absicht, im Status Quo zu verharren.

Ministerpräsident Roland Koch hat seiner Kultusministerin die Hoheit über die Reform der Mittelstufe aus der Hand geschlagen. Er hat dies getan im Wissen, dass er dafür vom noch immer starken rechts-konservativen Flügel seiner Partei Beifall bekommen wird. Die Hans-Jürgen Irmer- und Christean Wagner-CDU will die Dreigliedrigkeit, will die Hauptschule in Hessen gegen jede Vernunft, gegen die Abstimmung mit den Füßen über die Zeiten retten.

Der so erzwungene Stillstand wird nicht von Dauer sein. Kein Elternteil wird sein Kind an die Hauptschule schicken, weil es dort im ersten Jahr gemeinsam mit Realschülern in einem Klassenzimmer sitzen darf. Hauptschüler werden nicht zu lernbegeisterten Jugendlichen, weil sie im Schongang in die Verliererschule einsortiert werden.

Denn eine Verliererschule ist die Hauptschule. Nicht, weil die Lehrer dort schlecht unterrichten würden. Sondern weil ihr Image ruiniert ist. Weil jene, die dort gemeinsam die Schulbank drücken, auf ihre eigene Zukunft allzu oft nichts geben. Die Hauptschule ist nicht zu retten, und (fast) alle außer den Hessen haben das begriffen.

Dabei ist selbst in Hessen zu besichtigen, wie es funktioniert. Die Wiesbadener Heinrich-von-Kleist- und die Hessenwaldschule in Weiterstadt unterrichten ihre Schüler von Klasse 5 bis 10 gemeinsam.

Die Jugendlichen bleiben bis zum Ende der Mittelstufe, bis zum Haupt- und Realschulabschluss in einer Klasse - gelernt und gelehrt wird innerhalb dieses Klassenverbands gemäß dem jeweiligen Leistungsvermögen jedes einzelnen Schülers. Niemand muss die Klasse oder gar die Schule wechseln, weil er zu gute oder schlechte Noten hätte. Die Leistungen der besseren Schüler motivieren jene, die sich mit dem Stoff schwerer tun. Die Stärkeren erklären den Schwächeren die Aufgaben und lernen dabei selbst hinzu. Steigende Anmeldezahlen belegen den Erfolg dieses Modells.

Ministerin Henzler war anlässlich eines Besuchs in Weiterstadt voll des Lobes. Kochs CDU aber war dies offenbar zu viel der Integration. Dass der Ministerpräsident nun gemeinsam mit Henzler das Mittelstufen-Reförmchen präsentiert, mag wirken, als ob er seiner Ministerin zur Seite träte. Es könnte auch so aussehen, als ob er ihr in den Rücken gefallen sei.

Autor:  Peter Hanack
Datum:  26 | 2 | 2010
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