Wo wir eigentlich leben. Der Autor des Leserbriefs will es unbedingt wissen. In einer Stadt, das zumindest legt er nahe, in der es Muslimen offenbar unbenommen ist, einfach eine Moschee zu bauen. Wo sie gerade wollen. Aber, fragt der Leserbrief-Schreiber, wie wäre es eigentlich mit einem anderen Standort als dem in Hausen, wie wäre es mit einem Platz "neben dem Haus von Multi-Kulti-Petra". Wäre auch eine gute Idee. Glaubt zumindest der Autor des Briefes, der die Lokalredaktion der FR jetzt erreicht hat. Ohne einen Absender, der Autor will anonym bleiben, präsentiert sich allein als "ein alteingesessener deutscher Bürger". Aus guten Gründen wolle er unerkannt bleiben, wie er selbst glaubt, denn wenn man "ein Gegner der Islamisten ist, wird man sofort in die rechte Ecke gestellt".
Typisch, könnte man sagen. Ein ganz typischer Topos aus dem Argumentationsspektrum des Islamhassers. Ähnlich wie die gängige Selbstbeschreibung als treuer Bürger, der sich brav um sein Gemeinwesen kümmere, das aber auf die Hunde zu kommen drohe, weil sich andere alles andere als brav verhielten und einfach machten, was ihnen gerade in den Sinn komme. Und so typisch wie auch die rhetorisch eingeworfene Frage, was das eigentlich für ein Land sei, in dem man lebe.
Wo wir eigentlich leben, scheint manchem Bürger dieser Stadt inzwischen etwas abhanden gekommen zu sein. Also sollte man darüber reden, was das eigentlich für eine Stadt ist, die sich seit mindestens zwei Jahrzehnten als multikulturelles Gemeinwesen versteht, in dem man Toleranz nicht einfach mit Beliebigkeit verwechselt.
Wenn die von der Frankfurter Stadtregierung aufgebotenen Experten am heutigen Dienstag im Römer zu einer gewissen Versachlichung der sich in immer mehr bundesrepublikanischen Städten mit selbigen Argumentationsmustern wiederholenden Debatte beitragen können, muss das nichts Schlechtes sein. Die Idee, Korrektive in diesen Streit zu bringen, die qua Kompetenz mit Resonanz rechnen können, hat auf den ersten Blick etwas bestechendes. Das allerdings ändert sich bei näherem Hinsehen: Schlussendlich bleibt die Einsicht, dass es mit dieser Stadtgesellschaft nicht zum besten bestellt sein kann, wenn widerstreitende Protagonisten nicht mehr zur Räson gebracht werden können und Bürger sich in der Öffentlichkeit wie Rüpel gerieren. Vor allem aber muss man sich klar machen, dass es eigentlich nicht um irgendeine Moschee geht. Und das es auch nicht darum geht, wo wir leben. Es geht vielmehr darum, wie wir eigentlich leben. Miteinander. In Zukunft. In dieser Stadt.

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