Die Debatte ist zu Ende. Volker Stein, Frankfurts Ordnungsdezernent, formulierte diesen Satz über den Abschluss des Moscheenstreits so, als wollte er ihn in Marmor meißeln. Doch Stein, ein kluger Freidemokrat, setzte vorsichtshalber hinzu: Die Debatte ist an ihrem Ende angekommen, wenn diese Stadtgesellschaft nicht über etwas hinweggegangen sein sollte, was lange im Verborgenen liegt ohne es je an die städtische Öffentlichkeit zu schaffen. Nach dem Tumult, für den die Bürgerinitiative gegen den Moscheebau in Hausen im Bildungsausschuss gesorgt hat, muss man sagen: Das Verborgene bleibt nicht mehr länger unter der Decke.
Was aber soll dieses Verborgene eigentlich sein? Eine eigentümliche Mischung aus Angst, Ignoranz und Borniertheit. Kommt alles zusammen und bahnt sich als Mixtur ihren Weg ins Freie, so gelangt jede Debatte an ein Ende, das sich nicht etwa daraus ergibt, dass alle Argumente einfühlsam vorgetragen und schließlich ausgetauscht sind. Diese Diskussion findet vielmehr ihren finalen Punkt in dem Augenblick, in dem Argumente ob der Art ihres Vortrags und des Auftritts ihres Vortragenden nicht mehr mit Resonanz rechnen können. Nach dem rüpelhaften Auftritt der Bürgerinitiative im Ausschuss müssen ihre Protagonisten darum bangen, Gehör, geschweige denn Verständnis zu finden.
Und gerade deshalb gilt es, einen zweiten Blick auf den Disput zu werfen und zu fragen, warum es so weit gehen sollte. Nun könnte man auf die Idee kommen, der Auftritt im Bildungsausschuss sei nichts anderes als eine gezielte Provokation gewesen, um auch die in naher Zukunft geplanten und von der Oberbürgermeisterin angeleierten öffentlichen Erörterungen über die Freiheit der Religion und den Umgang mit dem Islam von vornherein zu unterlaufen. Mit einer solchen Einschätzung wäre manches erklärt, aber nichts gewonnen.
Also alles wieder zurück zu dieser eigentümlichen Mixtur. Die Angst, die in unmittelbarem Zusammenhang zu Ignoranz und Borniertheit steht, erwächst aus dem Gefühl, offensichtlich in den vergangenen zwei Jahrzehnten Entscheidendes in der Entwicklung dieser Stadt verpasst zu haben, und der Einsicht, dass der christliche Glaube einstweilen nicht mit so viel Resonanz rechnen kann wie der muslimische. So etwas kann an einem zehren, aber nicht von den Prinzipien demokratischen Miteinanderredens entbinden. Die Debatte ist alles andere als zu Ende. Vielmehr spürt diese Stadtgesellschaft, an einem Anfang zu stehen, von dem aus man die Regeln des Disputs bestimmt. Frankfurts Bürger sind in solchen Fragen erfahren genug, um die Debatte jetzt respektvoll voranzubringen.

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