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Leitartikel: Rückkehr des Respekts

Der Moscheestreit muss sich fortan zu einer Moscheedebatte wandeln. Das verlangt gegenseitigen Respekt - von allen. Von Matthias Arning

Das kann ja heiter werden. Alle gegen Diallo. Könnte man zumindest den Eindruck gewinnen: Als fände der städtische Integrationsdezernent unter den Bürgern, die gegen den geplanten Bau einer Moschee in Hausen rebellieren, nur wenige Freunde. Etwa wenn die Bürger-Initiative, die sich seit Monaten dem Projekt in den Weg stellt, Jean-Claude Diallo vorhält, über Religionsfreiheit zu sprechen, aber gleichzeitig mit der "verbalen Schrotflinte" auf die Mitstreiter der Initiative zu zielen. Während die Wahl der Waffe in diesem Fall auf die der Flinte unterstellten unkalkulierbaren Streubreite zielt, nehmen erboste wie freie Bürger präzise Maß, um schlussendlich Diffamierungen zu verbreiten.

Das aber führt zu nichts. Dabei ließen sich durchaus berechtigte wie kritische Fragen an die Stadtregierung, Diallo inklusive, richten. Schließlich hat man im Römer die Debatte im Stadtteil doch reichlich lange aus der Distanz beobachtet und vermieden, besänftigend, schlichtend und schließlich zielorientiert in die Kontroverse einzugreifen. Einem Streit, an dessen Anfang man noch den Eindruck haben konnte, hinter dem Protest manches Hauseners verberge sich ernsthafte Sorge, tiefsitzende Irritation, grundlegende Skepsis. Inzwischen ist gleichwohl viel passiert, wirkt die Atmosphäre nicht mehr nur gereizt, sondern vergiftet, nähren sich Zweifel, um was es eigentlich noch geht.

Und so könnte sich der heutige Tag als Markierung erweisen, als eine Zäsur, über die man später einmal sagen wird: Von dieser Wegweisung der Stadtregierung, die sich den dringlich wirkenden Problemen der Stadtteil-Bewohner gestellt hat, ging eine neue Epoche des Moscheestreits aus. Oder aber man sagt: Dieser Abend, an dem sich die Stadtregierung der Debatte stellte, hat nur noch einmal deutlich gemacht, dass es gar nicht um Bedenken gegen das muslimische Gebetshaus, sondern allein um tiefsitzende antimuslimische Ressentiments geht.

Also steht durchaus etwas auf dem Spiel. Man sollte dessen Dimension nicht aufblasen, aber man sollte die öffentliche Erörterung auch nicht leichtfertig als eigentlich erledigt abtun. Vor allem aber muss man über die Grundlagen des Dialogs Klarheit schaffen. Den Fundus für Erörterungen dieser Art bietet das verfassungsrechtlich garantierte Arsenal der Grundrechte. Von dort aus lässt sich Religionsfreiheit bestimmen und über die oft eher wie eine Leerformel beschworene Toleranz reden. Toleranz meint zuallererst, dass die Regeln des Verfahrens von allen an diesem Verfahren Beteiligten festgesetzt und damit akzeptiert sein müssen.

Diese Akzeptanz allerdings setzt voraus, dass der gegenseitige Umgang ein vor allem respektvoller ist. Kann schon sein, dass dieser Abend heiter wird. Kann aber auch sein, dass sich alle Beteiligten jenseits des Ressentiments bemühen, Ansprüche des Anderen nicht zu diskreditieren und somit gleich zu erledigen. Sollte es irgendwann über diesen Donnerstag heißen, dieser Tag sei der Tag gewesen, an dem der Moscheestreit wieder zu einer Moscheedebatte geworden ist, muss das nicht schlimm sein.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  6 | 12 | 2007
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