Ist bestimmt ein Zufall. Kann gar nicht anders sein. Während Bagger gegenwärtig in der Frankfurter City mit dem Technischen Rathaus demonstrativ die klassische Moderne entsorgen, setzen die ganz Modernen ein neues Wahrzeichen der Stadt an den Rand des Mains. Und ordnen das frühere Sinnbild der Moderne, Elsaessers Kathedrale des Gemüses, die Großmarkthalle, dem allerletzten Schrei der unkonventionellen Architektur unter.
Damals ist es bestimmt kein Zufall gewesen, dass Aufbruchsstimmung und Traditionsbewusstsein plötzlich aufeinanderprallten. Deswegen bringt Hessens oberster Denkmalpfleger die Geschichte auch noch einmal in Erinnerung: Martin Elsaesser, der Architekt im Namen des Sozialreformers und Stadtregenten Ludwig Landmann, habe seine Großmarkthalle Mitte der 20er Jahre als einen ganz bewussten Gegenakzent gesetzt - gegen die Kleinteiligkeit der Altstadt gerade zwei Kilometer weiter in Richtung Westen.
Auf einmal stand die Altstadt dem Anspruch entgegen, das Neue Frankfurt schaffen zu wollen. Eine Programmatik, die bis heute nicht zu unterschätzen ist: Die Stadt wuchs, lockte jede Menge Arbeitskräfte - und musste ihnen eine Perspektive bieten, vor allem eine Arbeit und eine Wohnung. Um die Ernährung der Bürger Frankfurts zu verbessern, Südfrüchte nicht länger als Rarität den Feinkost-Händlern und sonstigen Exoten zu überlassen, deswegen machte sich Elsaesser daran, einen Umschlagplatz für Waren dieser Art zu schaffen. Und zwar nicht irgendwo an der Peripherie, sondern beinahe mittendrin, ein Umschlagplatz, der für jeden zu erreichen wäre. Bananen gleichsam als Objekt demokratischer Teilhabe.
Spricht heute kein Mensch mehr von. Und deswegen ist man geneigt, den Zusammenhang zwischen der Sehnsucht nach Altstädtischem und dem Anspruch radikaler Modernität auch für einen Zufall zu halten. Für Zufall hält man alles das, was sich in den Gang der Dinge nicht recht einordnen lässt. Recht bedacht aber erschließen sich Verbindungen schon bald: Die Europäische Zentralbank steht für den Anspruch dieser Stadt, ständiger Motor von Veränderung sein zu wollen, der nur über Eliten in Gang zu halten ist. Das Gute ist, dass der Rückgriff auf das Traditionelle kaum dazu taugt, um dieser Sicht der Dinge etwas entgegen zu setzen und Vertrauen in die Zukunft dieser Stadt und ihres Gemeinwesens zu schaffen.
Und doch ist das alles andere als ein Zufall. Es ist vielmehr Ausdruck größter Ratlosigkeit. In einer Zeit, in der keiner weiß, was das Neue Frankfurt sein soll, alle aber spüren, dass die Stadt wächst, jede Menge Arbeitskräfte anlockt - und ihnen eine Perspektive bieten muss.

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