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Leitartikel: Wir sind Köhler

Horst Köhler ist auch für die kommenden fünf Jahre unser Bundespräsident. Die Überraschung hält sich in Grenzen. Die SPD-Kandidatin Gesine Schwan hat das Beste getan, was Demokratie zu bieten hat: Eine Alternative aufgezeigt - und mit Würde verloren. Von Thomas Kröter


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Wir sind Köhler. Noch einmal fünf Jahre. Die Überraschung hält sich in Grenzen. Mit der Spannung des Finaltags der Fußball-Bundesliga konnte die Wahl im Berliner Reichstag dann doch nicht konkurrieren. Zu klar waren die parteipolitischen Sympathien verteilt in der Bundesversammlung. Gesine Schwan, die unterlegene Kandidatin, ist zu klug, um das nicht zuzugeben. Jedenfalls sollte sie das sein. Wenigstens im Nachhinein.

Aber sie hat immerhin versucht, die (Mehrheits-)Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Ist sie dabei zur Donna Quichotte geworden, die tragikomisch gegen Windmühlenflügel kämpft? Nein. In ihrem öffentlichen Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten hat sie das Beste getan, was Demokratie zu bieten hat: Eine Alternative aufgezeigt - und mit Würde verloren.

Das Wahlergebnis
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Horst Köhler: 613 Stimmen Gesine Schwan: 503 Stimmen Peter Sodann: 91 Stimmen Frank Rennicke: 4 Stimmen

Abgegebene Stimmen: 1223 Ungültige Stimmen: 2 Enthaltungen: 10

Interaktive Grafik: Wahl des Bundespräsidenten

Horst Köhler ist für weitere fünf Jahre zum Bundespräsidenten gewählt worden.
Horst Köhler ist für weitere fünf Jahre zum Bundespräsidenten gewählt worden.
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Wäre eine Volkswahl, die sich mancher wünscht, anders ausgegangen? Die Umfragen sprechen eine eindeutige Sprache: Das repräsentative Gremium der Wahlmänner und -frauen aus Bundestag und Vertretern der 16 Landtage hat dem Willen der Bürger genüge getan. Sie sind zufrieden mit ihrem Bundespräsidenten Horst Köhler.

Und er wird sich weiter Mühe geben, sie nicht zu enttäuschen. Bei den meisten wird ihm das gelingen. Bei einigen nicht.

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Ein Teil der veröffentlichten Meinung war übrigens auch mit Johannes Rau, dem väterlichen Sozialdemokraten, unzufrieden, dessen Werk Gesine Schwan so gern fortgesetzt hätte. Zu betulich fand ihn so mancher Leitartikler. Auch er schaffte sie nicht, die "große" Rede, wie Richard von Weizsäcker sie zum 40. Jubiläum der Befreiung der deutschen von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gehalten hat. Auch sonst mühte er sich eher redlich, als dass er glänzte. Wie Horst Köhler.

Sympathischer Repräsentant

Der wird es weiter tun. Nach bestem Wissen und Gewissen. Nach seinen Kräften. Er wird ein sympathischer Repräsentant der Deutschen im Ausland sein und daheim versuchen, Interesse und Verständnis für die Belange der armen Länder, insbesondere Afrikas zu wecken. Er wird für gesellschaftlichen Zusammenhalt werben. Er wird in dieser großen Wirtschafts- und Finanzkrise den ökonomischen Eliten ins Gewissen reden, dass sie Verantwortung nicht nur für den Ertrag des eigenen Unternehmens tragen.

Und wenn er dabei keinen Erfolg hat, wird es nicht daran liegen, dass er die rechten Worte nicht gefunden oder sie zu ungelenk ausgesprochen hat, sondern daran dass die (Macht-)Verhältnisse so sind, wie sie sind. Horst Köhler wird sie so wenig umstoßen wie Gesine Schwan jene in der Bundesversammlung.

Aber eins wird dieser Bundespräsident, hoffentlich, nein, nach fünf Jahren Erfahrung mit ihm: sicher weiter nicht sein: Der livrierte Grüß-August eines - konservativ-liberalen - politischen Projekts, wie die bürgerlichen Prätendenten Angela Merkel und Guido Westerwelle sich das vorgestellt hatten, als sie den Überraschungskandidaten "Horst wer?" aus dem Hut zauberten. Horst Köhler wird sein, was seine Vorgänger waren: Präsident aller Deutschen. Auch jener, die sich eine(n) andere(n) hätten vorstellen können.

Autor:  Thomas Kröter
Datum:  23 | 5 | 2009
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