Berlin. Oskar Roehlers "Jud Süß - Film ohne Gewissen" stand am Donnerstag als dritter und letzter deutscher Beitrag auf dem Programm des offiziellen Berlinale-Wettbewerbs.
Erstmals zeigt ein Kinofilm, wie Veit Harlans Nazi-Propagandawerk "Jud Süß" in den UFA-Studios entstand und wie viel Einfluss auf das Projekt NS-Propagandaminister Joseph Goebbels von Anfang an nahm.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht aber das tragische Schicksal des Schauspielers Ferdinand Marian, der gegen seinen Willen die Rolle des bewusst niederträchtig dargestellten Süß am Ende doch spielte.
Gemischte Gefühle im Publikum
Das Festivalpublikum nahm Roehlers knapp zweistündiges Werk in einer ersten Pressevorführung mit gemischten Gefühlen auf, auch einige Buhrufe gab es.
Marian wird im Film von dem Österreicher Tobias Moretti verkörpert. Goebbels wird von Moritz Bleibtreu gespielt. In weiteren Rollen sind Martina Gedeck als Marians jüdische Ehefrau Anna, Armin Rohde als Heinrich George und Justus von Dohnanyi als Harlan zu sehen. Kleinere Rollen haben Gudrun Landgrebe, Robert Stadlober und Milan Peschel übernommen.
Roehler zeigt in seinem so nah wie möglich an der Realität gehaltenen Film, wie die Mechanismen von Macht und Verführung, Erpressung und Unterdrückung funktionierten. Marian, damals keiner der ganz großen Schauspielstars, merkt nach und nach, dass er in eine ausweglose Situation geraten ist. Sein Schicksal scheint besiegelt.
Andere deutsche Filme gut angekommen
Die zwei bereits im Bären-Rennen gestarteten deutschen Filme waren beide gut bei Kritik und Festivalpublikum angekommen. Der 29-jährige Deutsch-Afghane Burhan Qurbani hatte gleich mit seinem Debütfilm Erfolg. In "Shahada" erzählt er von jungen Muslimen in Berlin. Benjamin Heisenbergs "Der Räuber" erhielt ebenfalls viel Applaus. In dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Film raubt ein Marathonläufer manisch Banken aus und läuft am Ende um sein Leben.
20 Filme aus aller Welt sind im offiziellen Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären gibt am Samstagabend die internationale Jury unter Vorsitz von Regisseur Werner Herzog bekannt. (dpa)