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Mainzer Wohnbau-Affäre: Neue Vorwürfe gegen OB Beutel

Reisen, Geschenke, Postengeschacher: Gegen OB Beutel und den Ex-Chef der Wohnbau, Rainer Laub, sind bei der Staatsanwaltschaft neue Korruptionsvorwürfe eingegangen.

Unter Beschuss: Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD).
Unter Beschuss: Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD).
Foto: dpa

In der Affäre um die Mainzer Wohnbau sind neue Vorwürfe aufgetaucht. Der Nachrichtenagentur ddp liegt eine weitere anonyme Anzeige vom 3. Juni an die Staatsanwaltschaft Koblenz vor, in der neue Beschuldigungen gegen den Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) und den zurückgetretenen Wohnbau-Geschäftsführer Rainer Laub (CDU) erhoben werden. Die Rede ist von weiteren gemeinsamen Reisen, von Geschenken sowie von üppigen Geschäftsessen zulasten der Wohnbau.

Die Koblenzer Staatsanwaltschaft wollte am Mittwoch den Eingang des Schreibens weder bestätigen noch dementieren. In der Anzeige wird erstmals der Ex-Kapitän der Mainzer Hofsänger, Dieter Kral, beschuldigt, von dem Geflecht der Vergünstigungen profitiert zu haben. Kral wies das gegenüber ddp zurück: "Das ist ein starkes Stück", sagte er. Er habe sich nie bereichert.

Die Mainzer Wohnbau, ein 80-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt Mainz, war wegen riskanter Derivatgeschäfte sowie mehrerer unrentabler Großprojekte in finanzielle Schieflage geraten. Das Unternehmen schrieb bereits seit 2005 rote Zahlen und steht inzwischen mit rund 800 Millionen Euro in der Kreide. Der Stadtrat hatte deshalb im März eine Bürgschaft von rund 300 Millionen Euro ausgesprochen und Anfang Juni die Aufteilung des Unternehmens beschlossen. Wohnbau-Geschäftsführer Rainer Laub, bis Oktober 2008 für die Finanzen zuständig, war Anfang Mai aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, musste dann aber einräumen, Beutel auf eine Silvester-Reise an den Tegernsee eingeladen und dies als Dienstreise abgerechnet zu haben.

In der neuen Anzeige ist nun die Rede von Vergünstigungen, Geschenken und Posten, die verteilt worden seien. So soll der gesamte Aufsichtsrat der Wohnbau zum Abschluss der Geschäftsjahre 2007 und 2008 auf Einladung der Geschäftsführung üppige 15-Gänge-Menüs im der Wohnbau gehörenden Restaurant "Mollers" im Mainzer Staatstheater eingenommen haben. Bei den Essen seien auch die Lebenspartner dabei gewesen, zur Verabschiedung hätten alle Beteiligten einen Einkaufsgutschein im Wert von mehreren Hundert Euro erhalten, heißt es weiter.

Im Mittelpunkt der Anschuldigungen steht Ex-Geschäftsführer Laub, der durch seine weiteren Engagements beim Mainzer Carneval-Verein (MCV) sowie als Vorsitzender des Dombauvereins in Mainz weit vernetzt ist. In der neuen Anzeige wird daher auch eine Linie zum früheren Hofsänger-Kapitän Dieter Kral gezogen, der ebenfalls MCV-Mitglied ist. Danach soll Kral einen gut dotierten Posten bei der Mainzer Wohnbau gehabt und zeitgleich ein Ein-Familien-Haus der Wohnbau zu "nicht marktüblichen Konditionen" bezogen haben, das eigentlich zum Verkauf vorgesehen war.

Kral wies das im Gespräch mit ddp empört zurück: "Ich bin zwar MCV-Aktiver, aber ich habe mich an dem Unternehmen Wohnbau nicht bereichert", betonte er. Zwar wohne er tatsächlich in einem Haus der Wohnbau, habe dies aber "zu marktüblichen Preisen" gemietet. 2005 sei er in den 2004 errichteten Neubau eingezogen.

Kral räumte zugleich ein, dass er seit April 2004 als Abteilungsleiter des neu gegründeten Serviceangebotes "Lebensstil" für die Wohnbau tätig war. "Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun", betonte er. Damals habe die Wohnbau mehrere Anlagen für seniorengerechtes Wohnen in verschiedenen Stadtteilen gebaut und dort Serviceleistungen wie Einkaufen, Wäsche und Mittagstisch anbieten wollen. Für diesen neuen Dienst sei ein Koordinator gesucht worden, bis Mai 2007 habe er diese Aufgabe übernommen. "Ich habe mich nicht bei der Wohnbau beworben, ich habe auch nicht gesagt, Rainer, hast du mal 'nen Posten für mich", sagte Kral. Nach seinem Wechsel als Geschäftsführer zu einer Raunheimer Seniorenresidenz im Juni 2007 sei die Abteilung aufgelöst worden. (ddp)

Datum:  10 | 6 | 2009
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