Der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Wolski steht wegen einer weiteren Straftat unter Verdacht. Nach Auffassung des Darmstädter Richters Rainer Buss könnte sich der 61-jährige Wolski des Kreditbetrugs schuldig gemacht haben, als er Banken bei Kreditanträgen seine Verbindlichkeiten in Millionenhöhe verschwiegen habe.
"Wenn wir hier in einem Betrugsverfahren wären, sähe das gar nicht gut aus", sagte Buss am Donnerstag im Landgericht Darmstadt, wo gegen Wolski wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung verhandelt wird.
Ob sich der Angeklagte auch wegen des neuen Vorwurfs verantworten muss, ist ungewiss. Richter Buss gab seine Einschätzung bekannt, dass die Sache verjährt sei. Wolskis schriftliche Auskunft über seine Vermögensverhältnisse, in der er weder Verbindlichkeiten aus Darlehen noch Steuerschulden erwähnt hatte, stammt aus dem Jahr 2003.
Michael Wolski hatte Millionensummen von der reichen Immobilien-Unternehmerin Margit C. erhalten und nach Angaben der Anklagebehörde nicht richtig versteuert. Vor Gericht vorgelegte Dokumente zeigen, dass auch Ehefrau Karin Wolski von den Zuwendungen profitiert haben soll, die Richterin am hessischen Staatsgerichtshof ist. Gegen Karin Wolski wird nicht ermittelt.
Ausführlich beschäftigte sich das Gericht mit Gesellschaften zur Errichtung von Immobilien in Wiesbaden und Königstein, die von Margit C. finanziert worden waren, aber zur Hälfte Michael Wolski gehörten. Zudem sollte er beim Tod von Margit C. alleiniger Eigentümer werden. Wolski argumentiert, die Banken hätten darauf bestanden, dass er als Gesellschafter mit einsteige, weil Margit C. bereits über 80 Jahre alt war. Sechs Zeugen von Banken, die mit diesen und weiteren Krediten zu tun gehabt hatten, erinnerten sich anders.
Sie gaben zwar durchweg an, dass sie sich Gedanken über das Alter der Kreditnehmerin Margit C. gemacht hätten. Es konnte sich aber keiner entsinnen, auf Wolskis Einstieg gedrungen zu haben. "Absolut nicht", sagte ein Sparkassen-Filialleiter. "Von unserer Seite wurde das Thema nicht angesprochen", betonte eine Bankangestellte. Man habe ausschließlich auf das Vermögen von Frau C. abgestellt, sagten Beschäftigte der Eurohypo und der Sparkasse unisono.
Richter Buss konfrontierte den Angeklagten mit dem Verdacht, die Behauptung der angeblich auf seine Beteiligung drängenden Banken könne eine "Generallüge" Wolskis sein, mit der er auch Ignaz C. "getäuscht" haben könnte. Ignaz C. ist der inzwischen verstorbene Ehemann von Margit C. und Miteigentümer der C.-Immobiliengruppe.

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