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Nominiert: SiFi-Thriller "District 9": Bedrohte Außerirdische

Ein billig produziertes Science-Fiction-Spektakel - aber gleichwohl ein sehr erfolgreicher Kassenschlager aus Südafrika: "District 9". Von Katja Lüthge ( mit Video)

Sharlto Copley spielt die weiße männlich Hauptfigur im Science-Fiction-Thriller District 9.
Sharlto Copley spielt die weiße männlich Hauptfigur im Science-Fiction-Thriller "District 9".
Foto: afp

Moralphilosophisch sind die Kategorien Schönheit oder Niedlichkeit als Bedingung für Empathie und Mitgefühl offensichtlich problematisch. Tatsächlich sind die Außerirdischen, die im "District 9" in Johannisburg leben, weder schön noch irgendwie niedlich. Vielmehr muten sie wie eine wenig ansprechende Mischung aus Insekt und Panzerechse an, die sich irritierender Weise aber auf zwei Beinen bewegen - die kralligen Hände, der tentakelbewehrte Mund, die fehlende Nase und die schmalem roten Augen lösen auch nach längerer Betrachtung eher Unwohlsein als Einvernehmen aus.

"Prawns" werden sie entsprechend von der einheimischen Bevölkerung genannt, die die Aliens lieber heute als morgen los werden möchte. Seit vor knapp dreißig Jahren ihr gigantisches Raumschiff manövrierunfähig am Himmel über der südafrikanischen Metropole strandete, hat sich die Situation für die ziellos dahin lebenden Fremden in ihrem vermüllten Township kontinuierlich verschlechtert. Nun soll die auf zwei Millionen angewachsene Zwangsgemeinschaft in ein Camp irgendwo im Nichts umgesiedelt werden. Die private Sicherheitsfirma MNU (Multi National United) ist mit der Deportation beauftragt worden, nachdem die Zivilgesellschaft das Interesse an der erst erbärmlichen und jetzt lästig-bedrohlichen Raumschifffracht verloren hat.

Der Film

District 9, Regie: Neill Blomkamp, USA 2009, 112 Minuten.

Oscars: "District 9" war für den Oscar in der Kategorie "Beste visuelle Effekte" nominiert, den jedoch Camerons "Avatar" gewann.

Auch dem Zuschauer fällt es schwer, sich für das Schicksal dieser verrohten Fremdlinge zu erwärmen. Wie es dem in Südafrika aufgewachsenen Regisseur Neill Blomkamp im Verlauf des Films "District 9" gelingt, die Sympathien des Publikums dennoch für die Sache der Außerirdischen zu mobilisieren, wurde nicht nur von der amerikanischen Filmkritik fast einhellig gefeiert. Das mit 37 Millonen US-Dollar von Peter Jackson vergleichsweise billig produzierte Science-Fiction-Spektakel war der Sommerüberraschungshit und spielte seine Kosten binnen einer Woche ein.

Wer ist hier rassistisch?

Wegen seiner zahlreichen offensichtlichen Bezüge auf das Apartheidssystem, gedreht wurde unter anderem am Rande von Soweto, aber auch wegen des, nicht nur in Südafrika, äußerst lebendigen Rassismus ist "District 9" wohl auch der meistdiskutierte Film der vergangenen Wochen. Ist das Werk unter dem Deckmäntelchen der Rassismuskritik am Ende gar selbst durch und durch rassistisch? Auf zahlreichen Internetforen streiten sich in den USA Ankläger und Verteidiger des Films darüber.

Dabei stellt die Dystopie von Neill Blomkamp und seinem Co-Autor Terri Tatchell die moralische Integrität und Menschlichkeit der Menschheit insgesamt in Frage, ob er nun die berechnende Grausamkeit der weißen MNU-Manager ausstellt oder die archaische Brutalität der schwarzen nigerianischen Bandenmitglieder, die ihre Geschäfte mit den Aliens machen. Und auch die weiße männlich Hauptfigur, der unglückselige MNU-Mitarbeiter und bürokratische Alltagsrassist Wikus van der Merwe (beeindruckendes Debut von Sharlto Copley), dessen Dasein sich auf so grundlegende Weise ändern wird, taugt nur sehr bedingt als Identifikationsfigur.

So unabgeschlossen also offensichtlich die Interpretationsmöglichkeiten, so heterogen sind die stilistischen Mittel, aus denen Stück für Stück die Handlung montiert wird. Beginnt der Film mit einem - gespielten - Firmenvideo der MNU, das van der Merwe auf dem Weg ins Einsatzgebiet begleitet, erhellen reale Nachrichtensendungsschnipsel, gefakte und spontane Interviews mit Passanten sowie dokumentarisch aufbereitete Expertenkommentare schlaglichtartig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Außerirdischen-Problems, während auf der eigentlichen Spielfilmebene eine relativ kurze Zeitspanne zu erleben ist. Der um der Authentizität Willen wohl unverzichtbare Einsatz von wackelnden Handkameras und der wilde Stilmix funktionieren dabei ganz ausgezeichnet.

Dafür sorgt dann der durchaus ruppige, explosive Showdown. Hier fliegen Gliedmaßen, Autos, Gehirne, Gebäudeteile, Hubschrauber und anderes in üppiger Anzahl durch die Luft. Das alles allerdings auf überzeugende Weise, wie sich überhaupt die Tricktechnik perfekt in den Dienst der Erzählung stellt. So bleibt das Aussehen der Aliens bis zum Schluss zwar irreduzibel fremd, aber ist es nicht wahre Menschlichkeit, die dort im Blick des außerirdischen Vaters liegt?

Autor:  Katja Lüthge
Datum:  10 | 9 | 2009
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