Der Vorstandsvorsitzende der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Bauverein, Hans-Jürgen Braun, wirbt für den Bau der Nordostumgehung (NOU). Braun war für die Grünen von 1997 bis 2003 Verkehrsdezernent und hat in dieser Zeit wichtige Weichen für das Verkehrsprojekt gestellt.
Nun sind die Grünen allerdings gegen das Projekt: Die Straße sei zu teuer, sie entlaste die Innenstadt zu wenig vom Verkehr, Alternativen seien nicht ausreichend geprüft worden. Zumindest den letzten beiden Argumenten widerspricht Braun. In seiner Funktion als Bauverein-Chef erklärt er, die Straße werde rund 2750 Mieter von der Landgraf-Georg-Straße bis zur Waldspirale erheblich von Lärm und Abgasen entlasten. So würden im Rhönring im Jahr 2015 mit der NOU nur 14 300 statt 24 100 Autos am Tag fahren.
Sollte der Bürgerentscheid am 7. Juni den Bau der Straße kippen, "müssen umgehend konkrete Alternativen entwickelt werden, die vergleichbare Wirkung haben", heißt es in einem offiziellen Papier des Bauvereins.
Als Privatmann ist Braun zudem der Bürgerinitiative "Darmstadt nimmt Fahrt auf" für den Bau der Straße beigetreten. Der Gründer der BI, der Ex-Präsident der TU Darmstadt Johann-Dietrich Wörner, teilte am Freitag mit: "Dass hier ein ausgemachter Fachmann der Initiative beitritt, freut mich ganz besonders, denn dies ist ein ganz deutliches Signal dafür, dass die Nordostumgehung für Darmstadt richtig ist und dass es hierzu keine Alternative gibt."
Alternativen hat Braun in seiner Zeit als Stadtrat prüfen lassen. Der Umbau vorhandener Straßen sei wie der Ausbau von Bus und Bahn als unwirksam verworfen worden, berichtet Braun.
Die Grünen scheinen von der Positionierung Brauns nicht überrascht - aber auch nicht begeistert. Christian Grunwald, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sagte auf Anfrage, er halte Brauns Werben für zweifelhaft. "Im Bauverein gibt es eine lange Tradition, sich aus kommunalpolitischen Geschäften herauszuhalten."
Dem schloss sich auch die Grüne Daniela Wagner an, die ebenfalls im Bauverein-Vorstand sitzt. Sie sagte zudem, dass sie auch dort Brauns Standpunkt nicht teile.
Nachdem Braun den Nutzen der NOU beteuert und Alternativen verneint, bleibt noch ein drittes Hauptargument der Straßenbau-Gegner: Die Kosten von mindestens 154 Millionen Euro seien unverhältnismäßig hoch. Zu diesem Punkt will Braun jedoch keine Aussage treffen: Es sei nicht seine Aufgabe, "Finanzierung oder technische Details zu bewerten".

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