Während Michael Korwisis (Grüne) Unterstützer mit einem Trecker das überlebensgroße Konterfei ihres unabhängigen Kandidaten durch die Innenstadt fahren, laden CDU und FDP zur Pressekonferenz ins Rathaus. Über die Medien wollen sie die Geschlossenheit des "bürgerlichen Lagers" beschwören. Schließlich müsse ein Team die Stadt führen. Doch nach guter Teamarbeit sah das Verhältnis zwischen der CDU-Parteiführung, der schwarz-gelben Koalition und der nun in arg in Bedrängnis geratenen Rathauschefin zuletzt nicht aus.
So scheiterte die CDU dreimal daran, ihren Bürgermeister zu wählen. Seitdem Ursula Jungherr (CDU) 2003 von den Wählern von der Bürgermeisterin zur Oberbürgermeisterin befördert wurde, ist die dritte hauptamtliche Stelle im Magistrat unbesetzt. In schöner Regelmäßigkeit scheiterten alle zwei Jahre die von der CDU vorgestellten Kandidaten an den eigenen Leuten. Das koalitionsinterne Verhältnis ist derart, dass sich die FDP-Stadtverordneten 2006 gar dazu hinreißen ließen, ihre Stimmzettel zu markieren, damit ihnen später niemand nachsagen konnte , sie hätten den CDU-Mann nicht gewählt.
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Alles bestens in der Koalition
Nun sitzt der FDP-Fraktionschef Roesemann im CDU-Zimmer im Rathaus und versucht zu erläutern, wie gut das Team aus schwarz-gelber Koalition und CDU-Rathauschefin in den vergangenen Jahren funktioniert habe. Die Dorotheenstraße werde jetzt saniert, für das neue Krankenhaus habe man ein Grundstück gefunden, man habe das Gotische Haus gekauft und dem Louisencenter stünden doch nur die klagewilligen Nachbarn im Weg. Alles bestens also. Jetzt müssten die Wähler entscheiden: "Bleibt Bad Homburg bürgerlich oder regiert demnächst Rot-Grün."
Auch der Homburger CDU-Chef Thorsten Bartsch stilisiert die Stichwahl am Sonntag zur Richtungsentscheidung und holt mit CDU-Kreisvorsitzenden Jürgen Banzer gar Unterstützung aus Wiesbaden. Schließlich sei der Bad Homburger OB für die CDU im Kreis eine Symbolfigur, erklärt der hessische Sozialminister. Bislang habe die Kurstadt immer von den kurzen Wegen über die CDU-Freundschaften in den Frankfurter Römer oder in die hessische Staatzkanzlei profitiert. Mit Korwisi sei das dann möglicherweise vorbei und Bad Homburg dann bald eine Stadt wie jeder andere. Dazu passt die CDU-Parole für den Wahlkampfendspurt. Sie stammt aus Adenauers Zeiten und lautet schlicht: "Keine Experimente".
Zum vergangenen Dezember passte sie freilich nicht. Da stand Bartsch so wenig hinter Jungherr, dass er durchaus ein Experiment wagen wollte. Statt Jungherr plante die CDU-Führung damals den CDU-Fraktionschef Alfred Etzrodt ins Rennen zu schicken. Es kam zur Kampfabstimmung. Jungherr gewann knapp. Kommentar

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