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Pianistin Ewa Kupiec im Rheingau: Burschen und Barbaren

Die Rheingau-Reihe "Bekenntnisse": Ewa Kupiec stellte ein Programm zusammen aus Werken der 1910er-Jahre, in denen osteuropäische Komponisten sich zu ihren Heimatklängen bekannten. Von Stefan Schickhaus

Die polnische Pianistin Ewa Kupiec spielte beim Rheingau Musik Festival.
Die polnische Pianistin Ewa Kupiec spielte beim Rheingau Musik Festival.
Foto: KassKara

Eine euphorisch-erschöpfte, atemlose Ewa Kupiec wandte sich nach ihrem so außergewöhnlichen Konzert im Metternich-Saal von Schloss Johannisberg an ihr Publikum: Sie wolle sich dafür entschuldigen, dass sie nach Noten und nicht auswendig gespielt habe, aber schließlich wäre das komplette Programm Neuland gewesen für sie. Und sie wolle sich beim Veranstalter bedanken für den Mut, sich auf solch eine Werkfolge eingelassen zu haben.

Der Veranstalter wiederum, das Rheingau Musik Festival, war beglückt über die kooperative polnische Pianistin. Anders als all die Tastenvirtuosen, die mit einem Standardprogramm von Ort zu Ort eilen, lässt sich Ewa Kupiec ein auf rote Fäden, und programmatische Ideen, so auf die Rheingau-Reihe "Bekenntnisse": Ewa Kupiec stellte ein Programm zusammen aus Werken der 1910er-Jahre, in denen osteuropäische Komponisten sich zu ihren Heimatklängen bekannten. Leicht wäre es da gewesen, einen Chopin einzuschmuggeln und damit zumindest einen Publikumsmagneten. Doch Kupiec ging den puren Weg und bekam von den vergleichsweise wenigen Zuhörern umso ehrlicheren, starken Beifall.

George Enescus bislang unveröffentlichte "Pièces impromptues" standen am Beginn des Abends; die Pianistin hatte noch leicht pedalverhangenen Zugriff bei diesen teils bizarren, teils archaisch läutenden, teils wieder ganz chopinesken Stücken. Es folgten Stücke von Zoltán Kodály, nämlich die pentatonisch-kreisenden Klavierstücke op. 11 und die Marosszéker Tänze; schließlich ein ungeheuerlicher Block Bartók, der mit einem Allegro barbaro (Sz. 49) schloss, von Ewa Kupiec in der ihr eigenen, extrem körperlichen, geradezu dampfenden Spielart gestemmt.All die an der ungarischen und rumänischen Volksmusik orientierten Klavierwerke scheinen wie gemacht zu sein für eine Pianistin, die zu Beginn ihrer Karriere mit herrlich organischem Chopin Aufsehen erregte, bald aber auch sich Widerspenstigerem verschrieb. Beispielhaft die Marosszéker Tänze: Ganz plastisch lässt sie hier nicht nur die Leichtfüßig-Grazilen zum Tanz antreten, sondern auch den dumpfen Burschen und den Ungeschlachten, dem Faktor Kraft gestattet sie gerne eine destruktive Note.Enescu, Kodály, Bartók: Die Begeisterung der charismatischen Pianistin für die neu gefundene Materie teilte sich mit. Auch sichtbar, etwa im Schlusston des ersten Satzes der frühen Bartók-Suite op. 14: ein trockener Basslaut, ein Brummton, abgelegt tief unten. Ewa Kupiec musste mehr als schmunzeln über ihn.

Autor:  Stefan Schickhaus
Datum:  30 | 7 | 2009
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