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Frauenpornos: Politisch korrekte Liebesspiele

Petra Joy dreht erotische Filme, in denen Frauen nicht erniedrigt werden. Und widerlegt damit Alice Schwarzers Theorie, dass "die rein genitale Sexualität" Männersache ist. Von Hans-Hermann Kotte

Zeigt die weibliche Seite der Lust: Regisseurin Joy.
Zeigt die weibliche Seite der Lust: Regisseurin Joy.
Foto: petrajoy.com

Frauen-Pornos? Ginge es nach Alice Schwarzer, der Grande Dame des deutschen Feminismus, dann gäbe es das gar nicht, was Petra Joy macht. Die in England lebende Deutsche dreht munter einen Frauen-Porno nach dem anderen. Und stört sich wenig daran, dass Schwarzer solche Filme als "einen Widerspruch in sich" bezeichnet, weil "die rein genitale Sexualität" traditionell eher Männersache sei. Pornos für Frauen seien zwar "ab und zu aufgetaucht, aber genauso schnell wieder verschwunden", schrieb die Emma-Chefin 2007 zum Start ihrer zweiten "PorNo"-Kampagne.

"Ärgerlich" findet Petra Joy die Behauptung, dass Frauen-Pornos bloß ein Mythos seien. Die Mittvierzigerin, die von Kollegen als aufgekratzt beschrieben wird - was sich im Gespräch bestätigt -, nennt sich selbst eine "sexpositive Feministin". Sie fordert den weiblichen Blick in der Pornografie: "Den männlichen kennen wir schon zur Genüge. Nur sechs Prozent der Hollywood-Regisseure sind weiblich, und im Bereich Porno sind noch weniger Frauen in dieser Position."

Zur Person

Petra Joy wurde 1964 im bayerischen Kempten geboren und lebt heute in Brighton, England. Sie hat in Köln Geschichte, Politik und Anglistik studiert und arbeitete seit Ende der 80er Jahre als freie TV-Journalistin mit Schwerpunkt Reise. Seit 1992 produzierte sie auch Beiträge für das Sex-TV-Magazin "Liebe Sünde" (Vox/Pro7).

2003 gründete Joy die Foto- und Videoproduktionsfirma "Strawberry Seductress", die erotisches Material für Frauen und Paare produziert. Seit 2005 dreht sie auch Frauen-Pornos. Zudem veranstaltet sie Porno-Workshops für Frauen und tritt bei Podiumsdiskussionen auf. 2008 brachte sie die Compilation "Her Porn" heraus - mit Frauen-Pornos von Maria Beatty, Marianna Beck, Shu lea Cheang, Emilie Jouvet, Maria Llopis und Candida Royalle.

Derzeit veranstaltet sie ihren "Joy Awards"-Wettbewerb, bei dem Frauen noch bis zum 15. September erotische Beiträge einsenden können. Die besten sollen im Oktober während des Berliner Pornofilmfestivals (22. bis 25. Oktober) gezeigt werden. www.joyawards.com.

Die Zeit ist reif für mehr Frauen hinter der Kamera, sagt Joy. Sie will Gegenbilder zum "fantasielosen" und "immer härter werdenden" Mainstream-Porno. Schon ihre Filmtitel sind anders, gar nicht so gewollt-vulgär wie bei der Massenware. Ihre Filme heißen: "Sexual Sushi", "Feeling It!" oder auch "Female Fantasies".

Kuschelecke im Porno-Business

Tatsächlich zeigt die Regisseurin ausschließlich weibliche Fantasien - sie verfilmt das, was ihr Frauen erzählt haben. Am Mainstream stört sie einiges: "Die Erniedrigung von Frauen, der Kult um die männliche Potenz, Menschen als Fick-Maschinen, ständige Großaufnahmen von Vaginen und Penissen wie im Fleischerladen." Sie arbeitet mit Amateuren, Menschen, die Lust haben, sich zu zeigen. Tabu sind Porno-Standards wie beispielsweise der "Cum-Shot", der Samenerguss ins Gesicht der Frau, oder der "Sandwich"-Dreier, meist besetzt mit zwei Männern und einer Frau.

Und so hat sich Joy, die lange als TV-Journalistin gearbeitet hat, ihre Kuschelecke im Porno-Business eingerichtet. Feigenblatt Frauen-Porno? Das mag man kritisieren, und doch ist die Wahl-Britin keine Anti-Feministin. Sie hat sich an der Uni mit "der frauenfeindlichen Propaganda im NS-Spielfilm" befasst und auch mal einen kurzen TV-Film über "Gewalt in der Pornografie" gedreht.

In den 80er Jahren neigte sie selbst der "PorNo"-Bewegung zu, sagt sie, doch irgendwann wollte sie die erotische Bilderwelt nicht mehr den Männern überlassen. "Ich bin ein visueller Mensch, warum soll ich mich nicht von Bildern erregen lassen?"

Zu den Grundsätzen ihrer "humanistischen" Pornos gehören: "Safer Sex - also Kondome; Variation im Sexspiel; Körper, die nicht genormt sind; Respekt und Intimität zwischen den Darstellern." Sie zeigt Männer auch als Objekte weiblicher Lust. "Da haben Frauen ein großes Nachholbedürfnis." Joys Filme sind weniger genital fixiert, ihre Kamera verweilt schon mal auf Augen, Wimpern, Lippen, Zähnen, Nasenlöchern. "Gesichter finde ich spannender als Geschlechtsteile.

Mein größtes Sexualorgan sitzt zwischen den Ohren, nicht zwischen den Beinen. Es ist doch aufregend, was im Gesicht passiert beim Orgasmus." Vielfalt ist ihr wichtig, deshalb kommt in ihren Filmen viel lesbischer Sex vor. Männer machen selten was miteinander, sagt sie, denn die meisten Darsteller wollen nicht als schwul gelten.

Sie arbeitet mit Amateuren

Ihre Filme dreht sie nicht im Studio, sondern in Wohnungen oder Hotels. Sie arbeitet mit gedämpftem Licht, dazu reichlich Federn, Perlenketten, Blütenblätter, auch Masken und Kostüme. Eine Überdosis Mädchenzimmer, passend zum politisch korrekten Liebesspiel, könnte man meinen. Doch Joy findet nicht, dass sie Blümchen-Porno macht.

"Es gibt kontroverse Szenen bei mir, etwa die männlichen Solo-Masturbationen, oder wenn eine Frau einen Mann mit einem Dildo penetriert." Stolz ist sie auf die Szene, in der "eine Frau mit vorgeschnalltem Kunstpenis auf der Männertoilette cruisen geht und drei bisexuelle Männer aufreißt" - doch "das wollte eine meiner Vertriebsfirmen lieber nicht drin haben".

Joys Darsteller sind Laien, die bei weitem nicht so gut bezahlt werden wie im Mainstream. Dennoch kostet so ein Film rund 40.000 Euro. Ein großes Geschäft macht sie mit ihren Filmen nach eigener Auskunft noch nicht. "Im Moment hole ich so gerade die Kosten wieder herein." Immerhin hat sie es hierzulande in den Beate-Uhse-Vertrieb geschafft.

Und wer schaut sich diese Filme an? "Frauen, die sich gerne mit ihren Sex-Toys einen schönen Abend machen und sich selbst verwöhnen", sagt Joy. Und Frauen, die sich gemeinsam mit ihren Partnern "inspirieren lassen" wollen. Auch Männer gucken hin. Aus einigen Reaktionen weiß sie, "dass manche Männer meine Pornos schätzen, gerade weil Frauen darin nicht erniedrigt und schlecht behandelt werden. Sie können sich da sozusagen schuldfrei etwas angucken".

Männer und schuldfrei? Das wird Alice Schwarzer ganz bestimmt nicht gefallen.

Autor:  Hans-Hermann Kotte
Datum:  30 | 8 | 2009
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Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

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