Jürgen Walter, 40, galt lange als kommender Mann der hessischen SPD. Der Rechtsanwalt aus Friedberg, der gemeinsam mit Andrea Ypsilanti 1999 in den Landtag eingezogen war, teilte sich mit ihr nach dem Wahl-Desaster von 2003 die Spitzenämter. Ypsilanti wurde Parteichefin, Walter Fraktionsvorsitzender. Dem Wortführer der SPD-"Netzwerker" in Hessen fehlte 2006 eine einzige Stimme, um Spitzenkandidat für die Landtagswahl zu werden. Statt seiner trat Ypsilanti an.
Obwohl er schon frühzeitig Kritik an der geplanten Zusammenarbeit mit den Linken geäußert hatte, nahm der stellvertretende Parteivorsitzende Walter an den Verhandlungen für eine rot-grüne Minderheitsregierung teil. Am Wochenende kündigte er beim Parteitag an, dem Ergebnis nicht zuzustimmen.
Dagmar Metzger, 49, hat schon früher als die anderen drei angekündigt, dass sie Andrea Ypsilanti in dieser Konstellation nicht wählen werde. Für die in der Mauerstadt Berlin aufgewachsene Frau war die Zusammenarbeit mit der Linkspartei der Grund zum Ausscheren.
Die Darmstädterin stammt aus einer Politiker-Familie: Ihr Schwiegervater Günther Metzger war einflussreicher Bundestagsabgeordneter und Mitgbegründer des "Seeheimer Kreises" der SPD-Rechten. Die Bankjuristin Metzger war im April erstmals in den Landtag eingezogen. Sie stoppte einen ersten Anlauf für ein rot-grün-rotes Bündnis mit ihrem Veto im März.
Als begnadete Sängerin ist Everts in der SPD unumstritten
Carmen Everts, 40, hat ihre Doktorarbeit über politischen Extremismus geschrieben und kam schon damals zu dem Schluss, dass die PDS extremistische Tendenzen pflegt. Die Politologin aus Groß-Gerau sitzt schon seit fünf Jahren im Landtag - aber erst seit April ist sie Abgeordnete.
Everts hatte vorher als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die SPD-Fraktion gearbeitet. Jürgen Walter kennt sie schon sehr lange: Beide haben 1987 am Gymnasium im südhessischen Gernsheim Abitur gemacht. In einer Rolle ist Everts in der SPD unumstritten: Als begnadete Sängerin mit einer großen Stimme.
Silke Tesch, 40, ist Industriekauffrau und bemüht sich wie die anderen drei um intensive Kontakte der SPD zur Wirtschaft. Tesch gehört dem Landesparlament seit 2003 an. Bei der Wahl im Januar zog sie überraschend wieder ein. Zwar hatte sie nur einen hinteren Platz auf der Landesliste erhalten, aber vor Ort in ihrem Kreis Marburg-Biedenkopf schlug sie den Landtags-Fraktionschef der CDU, Christean Wagner, aus dem Feld.
Tesch zählt zu den Sprechern der "Aufwärts"-Runde, in der sich etwa 20 Mitglieder der 42-köpfigen Fraktion versammeln - als Gegenstück zu Ypsilantis linker "Vorwärts"-Runde.

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