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Porträt: Gastfreundlich wie ein Beduine

Fouad Twal ist als lateinischer Patriarch der offizielle kirchliche Gastgeber von Papst Benedikt XVI., der auf der Reise durchs Heilige Land heute in Jerusalem eintrifft. Von Martin Gehlen

Fouad Twal, 69, Lateinischer Patriacrh von Jerusalem und Gastgeber des Papstes, redet schon mal Klartext.
Fouad Twal, 69, Lateinischer Patriacrh von Jerusalem und Gastgeber des Papstes, redet schon mal Klartext.
Foto: afp

Lange war er auf Wanderschaft wie seine Großeltern, bevor er endgültig sesshaft wurde. Seit vier Jahren lebt und arbeitet Fouad Twal in Jerusalem. Seine Vorfahren lebten noch als Beduinen in der jordanischen Wüste, er selbst kennt "das Nomadenleben nur noch aus Erzählungen", wie er schmunzelnd erwähnt. Was sich seine Familie aus dieser Zeit bewahrt habe, sei die Gastfreundschaft. "Unser Haus war immer voller Gäste - bis in die Nacht hinein." Als lateinischer Patriarch ist er der offizielle kirchliche Gastgeber von Papst Benedikt XVI., der auf derReise durchs Heilige Land heute in Jerusalem eintrifft.

Fouad Twal wurde am 23. Oktober 1940 als fünftes von neun Kindern in Madaba in Jordanien geboren und studierte Theologie im Seminar von Beit Jala nahe Bethlehem. 1966 wurde er zum Priester geweiht. Nach fünfjähriger Arbeit als Seelsorger in Palästina und Jordanien studierte er ab 1972 in Rom an der Päpstlichen Lateranuniversität Kirchenrecht und internationales Recht. 18 Jahre lang war Twal im diplomatischen Dienst des Vatikans tätig. 1985 übernahm er die Leitung der Nuntiatur in Kairo. 1988 wechselte er für zwei Jahre nach Deutschland, wo er die Wiedervereinigung miterlebte.

Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1992 zum Bischof von Tunis. Benedikt XVI. machte ihn 2005 zum Koadjutor mit dem Recht auf Nachfolge des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem Michel Sabbah. Als der kantige palästinensische Kleriker 2008 aus Altergründen zurücktrat, wurde Twal offiziell in sein Amt eingeführt.

Der neue Oberhirte, der für Israel und Palästina, aber auch für Jordanien und Zypern zuständig ist, gilt als diplomatischer im Umgang mit Israel als sein Vorgänger. Doch bereits in seiner ersten Weihnachtsbotschaft schlug der 68-Jährige überraschend deutliche Töne an. Die Mauer, die Israel errichtet hat, trage bei "zur Entstehung von Gewalt und erzeuge Groll und Hass", schrieb er. Jerusalem werde durch den Bau jüdischer Siedlungen stranguliert, was immer mehr Christen ins Exil treibe.

Die Menschen seien "müde von den vielen Demütigungen, von der Gefangenschaft in den eigenen Städten und Dörfern, ohne die Möglichkeit hinauszukommen, um draußen zu arbeiten, Verwandte zu besuchen oder in den Heiligen Stätten zu beten", erklärte Twal auf einem internationalen Kongress. Viele palästinensische Christen hätten seit Jahren die Grabeskirche in Jerusalem nicht mehr besuchen dürfen.

Von der Papstvisite erwartet sich Twal Unterstützung für seine entnervten Gläubigen. Der Papst wolle "Wissen aus erster Hand bekommen über die harten Lebensbedingungen in unserer Region", schrieb er. Er hoffe, der Besuch werde helfen, Barrieren beseitigen und Verzweiflung lindern.

Autor:  MARTIN GEHLEN
Datum:  11 | 5 | 2009
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