Seit Sonntagabend ist Michael Korwisi eine republikweit gefragte Person, denn er hat ein politisches Wunder geschafft. Ausgerechnet in der gediegen-bürgerlichen hessischen Kurstadt Bad Homburg brach der Politiker der Grünen die ununterbrochen 61 Jahre währende Herrschaft von CDU-Oberbürgermeistern.
Während die Fotografen Korwisi am Abend des Sieges umkreisen, schaut der ein wenig verlegen zur Seite, winkt seinen Wahlkampfhelfern von der Grünen Jugend zu, herzt alte Freunde aus dem Bad Homburger Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist. Für Alteingesessene bleibt der Überraschungssieger der Bub aus dem Stadtteil Kirdorf. Sie kennen ihn, seit er mit dem Schlitten Richtung Bach gesaust ist. Das hier ist Frankfurter Speckgürtel mit hoher Millionärsdichte, mit Spielbank, Schloss und Tradition. 60 Prozent der Stimmen hat Korwisi bekommen, das ist mehr als die traditionelle Grünen- und SPD-Klientel. Gewählt haben ihn auch Konservative aus Initiativen verärgerter Bürger wie auch CDU-Anhänger, die der ewigen Querelen unter den örtlichen Christdemokraten müde sind.
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Korwisi, Mitbegründer der Grünen im Hochtaunuskreis und ehemaliger Geschäftsführer der Partei in Hessen, hat sein Bad Homburg bislang nur für Reisen und Studienaufenthalte verlassen. Als Lehrer für Russisch und Englisch bekam er zu Zeiten der Lehrerschwemme keine Anstellung und machte vielleicht auch deshalb Politik zum Beruf. Unter Joschka Fischer ging er als Referent für Öffentlichkeitsarbeit ins hessische Umweltministerium. Da trugen beide noch Turnschuhe und Selbstgestricktes.
In 20 Jahren als Stadtverordneter arbeitete er sich 2001 zum hauptamtlichen Stadtrat hoch. Ein kurzes schwarz-grünes Mehrheitsbündnis wurde bei der jüngsten Kommunalwahl 2006 erneut von einer bürgerlichen CDU/FDP-Konstellation abgelöst - und der Stadtrat Korwisi damit vor der Zeit geschasst. Das schmerzte ihn auch deshalb sehr, weil es ihm anders versprochen worden war. Als er damals das Rathaus verlassen musste, ließ er durchblicken, dass er wiederkommen wolle.
Im Winter sägte die CDU am Stuhl der eigenen Rathauschefin Ursula Jungherr. Korwisi weilte drei Monate auf Kuba. Zum Nachdenken, wie er sagt. Zur Feier der Revolution mit Fidel Castro, feixte die CDU und zeichnete in einer Wahlkampfbeilage in einer örtlichen Zeitung das Bild eines vermeintlich verkappten Kommunisten. Von Fidel lernen, heißt siegen lernen, witzeln jetzt andere. Kuba sei ein preiswertes und sehr schönes Reiseziel, empfiehlt der frisch gekürte OB. Er trägt inzwischen Anzug. Nur eine größere Krawattenauswahl fehlt ihm noch zum Typus des Elder Statesman.

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