Berlin. Die Stühle im Fraktionssaal reichen kaum: Mit 68 Abgeordneten ziehen die Grünen in den neuen Bundestag ein, mehr denn je und 17 mehr als zuvor. Ein gutes Drittel der Fraktion stellen Newcomer. Darunter sind einige sehr junge Nachwuchspolitikerinnen wie die 24-jährige Studentin Agnieszska Malczak.
Dazu kommen gestandene politische Schwergewichte, etwa der langjährige Vorsitzende des mächtigen nordrhein-westfälischen Landesverbands, der Parteilinke Frithjof Schmidt, und Joschka Fischers Frankfurter Intimus Tom Koenigs. Der dürfte als ehemaliger UN-Sondergesandter für Afghanistan eine wichtige Rolle spielen bei den internen Auseinandersetzungen über den Bundeswehreinsatz am Hindukusch. Sie stehen den Grünen auf ihrem Parteitag Ende Oktober in Rostock ins Haus.
In der gewachsenen Grünen-Fraktion wird es vor allem auf dem Themenfeld Umwelt, Klima und Verkehr Postengerangel geben zwischen alten Platzhirschen und Parlamentsfrischlingen, zu denen der Leiter des renommierten Wuppertal Instituts, Hermann E. Ott, als Umweltexperte gehört.
Insgesamt werden die vielen Neuzugänge die Fraktion stärker nach links rücken. Nicht nur deshalb scheint es ausgemachte Sache, dass die Ära eines Realo-Urgesteins zu Ende geht: Fritz Kuhn. Er hat als Co-Parteichef die Grünen geschickt aus der Krise manövriert und ist als Fraktionschef seit vier Jahren an der Seite von Renate Künast der strategische Regisseur. Jürgen Trittin warf am Dienstag für das Amt an der Fraktionsspitze seinen Hut in den Ring. Nächste Woche soll gewählt werden. Trittin und Künast gelten als so gut wie gesetzt.