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Privatisierungen: Rhön Klinikum reibt sich die Hände

Macht der Wirtschaftseinbruch krank? Der Optimismus der Krankenhauskette Rhön Klinikum legt den Schluss nahe. Aber das Unternehmen hofft auf einen anderen Effekt der Krise. Von Anna Sleegers

Die Krankenhauskette Rhön Klinikum will aus der Krise Profit schlagen.
Die Krankenhauskette Rhön Klinikum will aus der Krise Profit schlagen.
Foto: dpa

Frankfurt a.M. Der historische Einbruch der deutschen Wirtschaft bereitet nicht allen Unternehmen Sorgen. Die börsennotierte Krankenhauskette Rhön Klinikum rechnet sogar damit, dass ihr die Krise in die Hände spielt. Angesichts der prekären Lage der öffentlichen Hand hofft das Management auf eine regelrechte Welle von Klinikprivatisierungen - und will sich vorsorglich schon einmal mit frischem Kapital von der Börse eindecken.

"Angesichts einer Rezession mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von rund sechs Prozent werden die Kommunen und Länder ihrem medizinischen Versorgungsauftrag nicht mehr ausreichend nachkommen können", heißt es in einer Börsenmitteilung des Rhön Klinikums.

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In der Rezession der Jahre 2002/03 hatten Länder und Kommunen dem Klinik-Konzern bereits 20 Einrichtungen zum Teil zu Schnäppchenpreisen überlassen. Nun hat er Appetit auf mehr.

Rhön Klinikum betreibt bereits Krankenhäuser und medizinische Versorgungszentren an 37 Standorten, darunter auch das Universitätsklinikum Gießen-Marburg. Mittelfristig will das Unternehmen nach Worten seines Gründers und Aufsichtsratschefs Eugen Münch in Deutschland eine flächendeckende Versorgung anbieten können.

Wie das Unternehmen jetzt mitteilt, will es deshalb in der zweiten Jahreshälfte über eine Kapitalerhöhung etwa eine halbe Milliarde Euro für Zukäufe einsammeln.

Zumindest für die Aktionäre lohnt sich das Klinik-Monopoly. Denn während die Mehrzahl der deutschen Krankenhäuser bestenfalls kostendeckend arbeitet, fährt das Rhön Klinikum ordentliche Gewinne ein. Im vergangenen Jahr wies der Konzern einen Gewinn von 122,6 Millionen Euro aus. Der "Umsatz" - der sich zum überwiegenden Teil aus der Vergütung medizinischer Leistungen durch die Krankenkassen speist, belief sich nach Unternehmensangaben auf 2,1 Milliarden Euro.

Und wie kommen die hohen Gewinnspannen zustande? Glaubt man dem Unternehmen, liegt es vor allem an der Rationalisierung von Arbeitsabläufen. Darin üben sich zwar auch die Häuser in öffentlicher Hand schon seit Jahren, doch das Privatunternehmen hat dabei zwei entscheidende Vorteile: Schnelligkeit und Größe.

Schnell ist das Unternehmen vor allem bei Investitionen: Während ein kommunales Krankenhaus oft jahrelang auf Zuschüsse für kostensparende Modernisierungen warten muss, nimmt das Rhön Klinikum meist gleich nach der Übernahme ausreichend Geld für einen modernen Neubau in die Hand.

Und seine relative Größe erlaubt es dem Rhön Klinikum, den Einkauf und zum Teil auch Dienstleistungen zentral zu steuern, was erhebliche Einsparungen ermöglicht. In einer Region mit mehreren Einrichtungen des Konzerns kann es sich zum Beispiel lohnen, eine große Wäscherei zu betreiben, statt in jedem Haus eine eigene. Das spart Personal und Betriebskosten.

Von den Kassen vergütet werden die Kliniken jedoch zu den Sätzen, mit denen sich auch die deutlich ineffizienteren öffentlichen Krankenhäuser einigermaßen über Wasser halten können. Dank niedrigerer Kosten bleibt beim Rhön Klinikum dadurch am Ende ein erklecklicher Gewinn übrig. Die Aktionäre des Klinikbetreibers profitieren also im Grunde vom Modernisierungsbedarf der übrigen Krankenhäuser in Deutschland.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil des Rhön Klinikums ist, dass die meisten seiner 30.000 Beschäftigten nicht nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlen muss, sondern Haustarifverträge abschließen kann. Gerade in strukturschwachen Regionen, in denen es wenig berufliche Alternativen für das Pflegepersonal gibt, ist dies aus Sicht des Betriebswirts Gold wert.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  25 | 5 | 2009
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