Banner, Trillerpfeifen und Kostüme bleiben im Schrank. Die Gegner des Kohlekraftwerks demonstrieren im Anzug mit Krawatte. Junge, adrette Leute - man möchte sie für Bank-Azubis halten - gehen auf der Ludwigsstraße auf Passanten zu und "werben" für die Deutsche Bank: "Wir machen mit dem Kohlekraftwerk ein tolles Geschäft. Gut, die Umwelt leidet, aber das ist uns egal. Letztlich zählt nur die Rendite."
Eine ältere Frau geht den Demonstranten auf den Leim. Sie hält dagegen: Das könne die Bank nicht machen, das Kohlekraftwerk würde Mainz verschandeln, das wolle sie nicht. Die Rollen sind vertauscht - die Kohlekraftgegner preisen das Projekt ihrer Abneigung, die Angesprochenen argumentieren dagegen.
Alles zum geplanten Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue in einem FR-Spezial
Nur der Auftakt
"Der Protest vor den Filialen in Mainz und Wiesbaden ist der Auftakt einer Reihe von Protesten gegen die Deutsche Bank", sagt Elias Perabo, Sprecher der Klima-Allianz. Zu der gehören Naturschutzverbände und Organisationen wie die Verbraucherzentrale sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Als Nächstes werde die Allianz am 26. Mai in Frankfurt protestieren - vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank.
Ob es dann nicht zu spät sei und die Finanzierung für das Kohlekraftwerk längst stehe? "Nein, das glauben wir nicht, die Gemengelage ist schwierig", sagt Perabo. Die Gegner hätten einen Finanzexperten beauftragt, die Zahlen des Bauherrn, der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW), zu prüfen. Mit teils zugänglichen, teils zugespielten Daten habe der herausgefunden, dass die KMW sich schwer damit tue, den Bau zu finanzieren.
Im Mai 2008 hätte die KMW ein Konsortium organisiert, das den Bau stemmen sollte. "Doch der ausgehandelte Kredit war dem Unternehmen zu teuer", sagt Perabo. Seit September sei die Deutsche Bank mit dem Projekt beauftragt. Doch angesichts der Weltwirtschaftskrise und der Risiken beim Bau eines Kohlekraftwerks - etwa die Kosten für den Umweltschutz - schaffe es die Deutsche Bank nicht, ein Konsortium zu bilden.
"Unabsehbare finanzielle Schwierigkeiten
Der Sprecher der Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz, Patrick Hassenpflug, kritisiert die KMW und ihre Muttergesellschaft, die Stadtwerke Mainz. "Die KMW riskiert, beide Städte in unabsehbare finanzielle Schwierigkeiten zu treiben."
Die Deutsche Bank äußert sich zu den Angaben der Umweltschützer nicht. Die KMW nennt deren Aktion "unsäglich" und ein "verzweifeltes Stochern im Finanznebel". Gutachter hätten bescheinigt, dass der Bau die Gesundheit der Menschen nicht gefährde. Jetzt versuchten sie es "verzweifelt mit Mutmaßungen und zweifelhaften Methoden zur Wirtschaftlichkeit". Unternehmens-Sprecher Michael Theurer sagt: "Die Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage." Die KMW, so Theurer, habe Ende 2008 die Finanzierung an ein Banken-Konsortium vergeben. Die Gespräche dazu liefen seit Januar 2009 "auf Hochtouren". Die von den Gegnern angemahnten Kosten für den Umweltschutz seien in die Kalkulation eingeflossen: "Auch damit rechnet sich das Projekt."

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