Tonbandmitschnitte zeigen das vergiftete Klima im Prozess gegen die RAF-Gründer.
Dossier: Der Deutsche Herbst
Die Zelle von Gudrun Ensslin im Hochsicherheitstrakt.
Foto: ap
Die Zelle von Gudrun Ensslin im Hochsicherheitstrakt.
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Es war einer der längsten und aufwändigsten Prozesse in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und zugleich einer; der auf allen Seiten zunächst ein Höchstmaß an gegenseitiger Feindseligkeit und Verbitterung hervorrief - und schließlich, wenige Monate nach den programmierten Lebenslang-Urteilen, mit drei toten Angeklagten endete. Als die Hauptverhandlung begann im Mai 1975, war keineswegs abzusehen, wie dramatisch sie verlaufen und wie folgenreich sie werden würde.
Die Anklage, vertreten von Bundesanwälten, warf Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof Mord in etlichen Fällen und die Bildung einer terroristischen Vereinigung namens Rote Armee Fraktion (RAF) vor, die sich den Umsturz der politischen Verhältnisse zum Ziel gesetzt haben sollte. Von Politik war nur selten die Rede in der von Mauer und Stacheldraht umzäunten Gerichstfestung, die eigens für diesen Prozess auf der grünen Wiese im Stuttgarter Vorort Stammheim errichtet worden war. Umso heftiger wurde über Monate hinweg über den Gesundheitszustand und die Haftbedingungen der RAF-Häuptlinge gestritten. Erst nach vielen Wochen wurde überhaupt erst die Anklageschrift verlesen, so innig hatten sich die Juristen auf der Richter- und jene auf der Verteidigerbank ineinander verkeilt.
Das undatierte Tableau zeigt die ab 1970 per Haftbefehl von den
deutschen Justizbehörden gesuchten Terroristen (obere Reihe, l-r):
Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Ronald Augustin,
(untere Reihe l-r): Jan-Carl Raspe, Klaus Jünschke, Ilse Stachowiak
und Irmgard Möller. Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin
- drei Namen, die für die 1970 gegründete terroristische Rote Armee
Fraktion (RAF) stehen.
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Das undatierte Tableau zeigt die ab 1970 per Haftbefehl von den
deutschen Justizbehörden gesuchten Terroristen (obere Reihe, l-r):
Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Ronald Augustin,
(untere Reihe l-r): Jan-Carl Raspe, Klaus Jünschke, Ilse Stachowiak
und Irmgard Möller. Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin
- drei Namen, die für die 1970 gegründete terroristische Rote Armee
Fraktion (RAF) stehen.
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Keiner der vielen Prozesstage, auch nicht solche, an denen in öder Routine oft stundenlang nur aus Dokumenten zitiert wurde, fand ohne reges Medieninteresse statt. Oft waren Dutzende von Berichterstattern aus dem In- und Ausland anwesend, vor allem zu Beginn und nachdem Ulrike Meinhof sich am Muttertag 1976 in ihrer Zelle erhängt hatte. Insofern können die jetzt aufgetauchten Tonbandmitschnitte keinerlei Neuigkeiten enthalten, geschweige denn Sensationelles. Alles, mit Ausnahme von Zeugenaussagen von Verfassungsschützern, ist damals in aller Öffentlichkeit geschehen und beschrieben worden.
Oft spielten die Angeklagten um Baader nur eine Nebenrolle. An vielen Prozesstagen blieben sie in ihren Zellen, nachdem sie durch Beleidigungen des Gerichtes ihren Ausschluss von der Verhandlung selbst herbeigeführt hatten. Für sie war das Verfahren ohnehin nur eine bürgerliche Farce, die man allenfalls nutzen konnte, um dem ebenfalls täglich erschienenen Anhang das Bild unbeugsamer Revolutionäre zu bieten. Unter anderem durch die Abgabe politischer Erklärungen, die meist im schwer verständlichen RAF-Jargon abgefasst waren und sich gewöhnlich um die Deutsche Rolle im US-gelenkten Imperialismus drehten. Abgesehen davon, dass sie eine allgemeine Verantwortung für blutige Bombenanschläge etwa auf amerikanische Militäreinrichtungen übernahmen, schon um nach draußen ihre Führungsrolle zu unterstreichen, nahmen Baader und die anderen niemals zu irgendeinem Tatvorwurf konkret Stellung.
Der Deutsche Herbst
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Die vier Angeklagten Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin (v.l.) am 31. Oktober 1968 vor der Urteilsverkündung am Landgericht Frankfurt/Main. Sie wurden beschuldigt, die Brände in den beiden Frankfurter Kaufhäusern gelegt und einen Schaden von über zwei Millionen Mark verursacht zu haben.
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Die Anwälte der Baader-Meinhof-Gruppe, (v.l.) Klaus Croissant, Otto Schily und Hans Heinz Heldmann, sprechen sich am 13.12.1976 bei einer Pressekonferenz in Stuttgart gegen die ihrer Meinung nach ungerechtfertigten Leibesvisitationen beim Besuch ihrer Mandanten in der Strafanstalt Stuttgart-Stammheim aus.
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Am 7. April 1977 wurden in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback sowie sein Fahrer Wolfgang Göbel und Justizwachtmeister Georg Wurster ermordet.
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Spezialisten der Polizei am 5. 9. 1977 am Tatort in Köln, nachdem ein Kommando RAF die Limousine des Präsidenten des Arbeitgeberverbandes, Hans Martin Schleyer, mit Maschinenpistolen und Gewehren angegriffen und Schleyer entführt hatten.
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Drei Polizisten und der Fahrer starben bei der Geiselnahme. Hanns Martin Schleyer wurde später am 19.10.1977 im Kofferraum eines Autos in der elsäßischen Stadt Mühlhausen ermordet aufgefunden.
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Der damalige Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer während seiner Entführung 1977.
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Das Archivbild vom 30.7.1977 zeigt die von Polizisten abgesperrte Einfahrt zum Haus des ermordeten Vorstandssprechers der Dresdner Bank, Jürgen Ponto. Pontos Mörder kamen mit einem Strauß Rosen und zwei Pistolen. Mit dem Satz "Hier ist die Susanne" hatte Pontos Patentochter Susanne Albrecht die Türen seiner Villa in Oberursel für ein Kommando der RAF geöffnet.
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Mit geballter Faust nimmt einer der zahlreichen Trauergäste am 27.10.1977 am gemeinsamen Grab von Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan Carl Raspe Abschied von den Toten. Links steht am Grab Pfarrer Helmut Ensslin, der Vater von Gudrun Ensslin. Die führenden Köpfe der RAF hatten am 18. Oktober 1977 im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim Selbstmord begangen.
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Das Bild vom 25. Juli 1978 zeigt das Loch in der Mauer des hochgesicherten Gefängnisses in Celle. Die unter dem Decknamen "Aktion Feuerzauber" vom niedersächsischen Verfassungsschutz gezündete Staatsbombe sollte die RAF glauben machen, dass es tatkräftige Unterstützer gab.
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Der zerstörte Wagen des damaligen Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, General Frederick James Krosen, steht
nach einem Anschlag am 15. September 1981 in Heidelberg am Ort des
Geschehens. Mitglieder der RAF hatten den Wagen mit einer Panzerfaust
attackiert.
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Fahndungsplakat des Bundeskriminalamtes von 1983.
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Einsatzkräfte sichten am 3.4.1968 den Schaden in der ausgebrannten vierten Etage des Kaufhof auf der Frankfurter Zeil. Die Anschläge gegen Frankfurter Kaufhäuser waren der Auftakt zum Terror der RAF, die den bewaffneten Kampf gegen den Staat ankündigte.
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Auch dem Rechtsstaat war das Verfahren nicht bekömmlich. Allzu viele Gesetze wurden im Hinblick auf diese Hauptverhandlung erst geschaffen. Fast hundert Befangenheitsanträge stellte der spätere Bundesinnenminister Otto Schily und seine Verteidigerkollegen, bis endlich einer ins Ziel traf und der Senatsvorsitzende Theodor Prinzing nach einer Intrige mit einem Bundesrichter und Springers "Welt" kapitulieren musste. Der ebenso trübe wie spektakuläre Vorgang passt ins Bild einer Gesamtführung, die kein Ruhmesblatt war - weder des Staats noch seiner Feinde. Immerhin, wer heute die Dokumente der Unversöhnlichkeit liest, mag erkennen, wie wenig fremd der Geschichte heutiger Terrorismus ist.