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RAF-Terror: Michael Buback ermittelt selbst

Der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts will die Beweisstücke zu den RAF-Morden sehen.


Foto: dpa

Der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback sieht die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker als Mörderin seines Vaters und will selbst ermitteln. Das gab er am Wochenende in Karlsruhe bekannt.

Michael Buback, Chemieprofessor in Göttingen, kritisiert seit Monaten angebliche Ungereimtheiten und mangelnde Sorgfalt bei den Ermittlungen. In einem Vortrag im Karlsruher Staatstheater konkretisierte er am Sonntag seinen Verdacht gegen Becker und kündigte Strafanzeige gegen sie an, falls die Bundesanwaltschaft nicht gegen sie ermittle.

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Ebenfalls am Wochenende hatte Buback den Badischen Neuesten Nachrichten gesagt, dass er das beim Mord benutzte Motorrad und die Helme der Täter selbst habe inspizieren wollen. Das gelang ihm nicht: Das Motorrad sei verkauft worden, und die Helme befänden sich in der kriminaltechnischen Untersuchung, da die Bundesanwaltschaft selbst neu ermittelt. Via Zeitung verlangte der heute 62-Jährige die genaue Untersuchung der Haarspuren. Nach unbestätigten Meldungen fand man in einem der Helme ein Haar, das zu Becker passen könnte. 1977 gab es noch keine DNA-Analyse.

Die Thesen des Naturwissenschaftlers sind allerdings ebenso anfechtbar wie die Ermittlungsergebnisse der Bundesanwaltschaft. Gesichert ist, dass am 7. April 1977 zwei Personen mit einer Suzuki an einer Tankstelle warteten und Reparaturarbeiten vortäuschten, bis Generalbundesanwalt Siegfried Buback die Tankstelle passierte und im Mercedes an einer roten Ampel wartete.

Der dritte Mann im Alfa

Das Motorrad fuhr neben den Mercedes, der Sozius feuerte durch die Fenster. Die Attentäter entkamen unerkannt, in einem Vorort stellten sie die Suzuki samt Helmen ab und setzten die Flucht mit einem Alfa Romeo fort, in dem eine dritte Person gewartet hatte.

Ein einziger Augenzeuge sagte damals der Polizei, der Schütze auf dem Sozius der Suzuki sei sehr zierlich gewesen, es könne auch eine Frau gewesen sein. Andere Zeugen, auch der Tankstellen-Pächter, sprachen nicht von einer Frau. Becker misst 1,64 Meter, der Unterschied zu einem Mann am Lenker hätte auffallen müssen.

Wer schoss, ist offen

Die Bundesanwaltschaft ging sehr früh davon aus, dass Christian Klar, Knut Folkerts und Günter Sonnenberg, den Mord begangen hatten. Viele Zeugen wollen die drei in späteren Gegenüberstellungen erkannt haben. Wer auf dem Motorrad saß, wer schoss und wer im Fluchtwagen wartete, konnte nie geklärt werden. Knut Folkerts sagt, er sei beim Attentat nicht in Karlsruhe gewesen. Die RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock und Verena Becker selbst nannten Stefan Wisniewski als Todesschützen.

Verena Becker wurde schon einen Monat nach dem Karlsruher Attentat zusammen mit Günter Sonnenberg in Singen festgenommen. Die Buback-Mordwaffe hatte das Paar bei sich, was ebenso zu einer Täterschaft Sonnenbergs wie Beckers passen würde.

Verena Becker wurde in der Haft zur Informantin des Bundesverfassungsschutzes und nannte 1981 oder '82 Stefan Wisniewski als Buback-Schützen. Das Protokoll ging damals wohl an Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, ist aber heute nicht mehr in der Karlsruher Behörde vorhanden.

Aus einer einzigen Zeugenaussage, dem Waffenfund und Beckers Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz entwickelt Michael Buback nun eine ausgewachsene Verschwörungstheorie. Er legt nahe, Becker habe schon 1972 mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet. Das soll ein in der DDR lebender Verwandter Beckers erfahren und der Stasi gesagt haben. Dann, so der Buback-Sohn, wäre der Verfassungsschutz über den Mord an seinem Vater schon vor der Tat informiert gewesen und hätte Becker gedeckt.

Autor:  URSULA KNAPP
Datum:  15 | 10 | 2007
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