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Reis' Parteitag im April: April, April

Müntes bahnbrechendes Opus trägt den beziehungsreichen Titel: Macht Politik! Was macht er? Ein Buch. Gabriel, der dicke blaue Engel aus Niedersachsen, debütiert nicht mit dem Pokerhandbuch, Asse im Ärmel, sondern mit dem richtungsweisenden Traktat: Links neu denken. Das klingt nach Ypsilantis Hessenführer, der ist vergriffen. Heide Simonis überrascht mit: Ich bin dann mal ganz weg, Neues vom Heidemörder. Das ist eine spannende Geschichte, noch schöner finde ich Ulla Schmidts neuen Arztroman: Alle Kassen im Schrank, eine amüsante Serientätergeschichte über einen pathologischen Kassenmörder. Der Roman hat weitgehend autobiographische Züge und wirkt deshalb so glaubwürdig. Ullas Blutspenderschmonzette mit dem allzu gefälligen Titel: Bis(s) der Arzt kommt, eine burleske Vampireske, fällt dagegen stark ab. Fragwürdig fand ich Andrea Nahles: Noch 'n Feuchtgebiet, da überschätzt sie die SPD. Abgeschlagen ist Ute Voigt mit: Dem Akkusativ ist vom Genitiv sein Vokativ. Ich kann gar nix, nicht mal Hochdeutsch.

Tiefensee überrascht mit dem Lyrikband: Verstehen Sie Bahnhof. Ich hab nix verstanden, dazu müsste man die Bahn verstehen, das halte ich für ausgeschlossen. Tiefensees assoziative Semantik ist interessant, wenngleich elitär, im Gegensatz zu Peter Strucks volkstümlicher SPD-Polemik: Wer sind wir und wenn ja wie viele? Schmaler Band. Etwas geschmäcklerisch kommt Olaf Scholz Kochbuch für Proleten daher: Wer's Marx. Satt ohne Zutaten.

Steinbrück verblüfft mit dem pädagogischen Kinderbuch: Oh, wie schön ist Liechtenstein. Illustriert von Janosch selbst mit Zumwinkel als schamloser Tigerente, Mehdorn als notgeilem Kiebitz, Ackermann als großmäuligem Frechdax, Guttenberg als emsigem Geldwaschbär und Steinbrück als kämpferischem Sparschwein, in seiner beklemmenden Bildersprache ein großer Wurf. Nicht zu toppen ist jedoch Steinmeiers wegweisender Ratgeber für die SPD: Sorge Dich nicht, sterbe. - Das scheint mir angeraten. Hat diese Partei keine Patientenverfügung? Wer erlöst die uralte Dame? In der Führungsetage der SPD wird schon für das Leben nach dem Tod geplant. Von Hubertus wird gemunkelt, dass er ein nostalgisches Nachtlokal eröffnen will, die Heil Bar. Ach wär sie doch heilbar, die gute alte SPD.

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Datum:  30 | 4 | 2009
Seiten:  1 2
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Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

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