kalaydo.de Anzeigen

Reis' Parteitag im Dezember: Jahresendzeitstimmung

Frauen rennen bei jedem Herzstillstand gleich zum Arzt, Männer warten, bis der Arzt kommt. Männer sind zu feige für Diagnosen, die hoffen auf gut Glück und Selbstheilung. Bei Bankern ist diese buddhistische Lebenshaltung weit verbreitet, sie liegen auf der Guillotine, hoffen darauf, dass die Guillotine daneben schlägt und glauben an die ungeheuren Selbstheilungskräfte ihres Körpers. Vielleicht wächst der Kopf ja nach. Möglich ist das, unmöglich ist nur die Selbstheilung des Geldmarkts. Der Drogenmarkt, der heilt sich selbst, klar, da sind Profis am Werk, da gelten recht unmissverständliche Gesetze und da ist das Investitionsvolumen durch Produktivität und Wareneinsatz gedeckt, aber Investment-Banking ist kein Drogenhandel, sondern Beschaffungskriminalität.

Die Banker haben im vergangen Jahr viel für ihr Image getan, aber nicht alle Banker sind kriminell, da fehlt vielen einfach die Energie. Trotzdem machen mir Banken Angst. Wenn ich zur Bank gehe, hab ich immer das Gefühl, mein Geld zu stehlen, die rücken das so ungern raus: "Tut mir leid, das Geld können wir Ihnen nicht geben, das ist ja ein Fonds, das ist eingedickt, das Geld, das kriegen wir da nicht raus." Aber es ist doch mein Fonds. "En fond terrible." Den haben Sie mir doch empfohlen. "Ja, das ist mein Job, denken Sie nur mal an meine Provision." Dann nehmen wir das Geld. "Das ist ja fest. Klebriges, klumpiges, festes Geld, das kann dem besten Bänker passieren, das ist ein anderer Aggregatzustand. Was wollen sie mit Festgeld, wenn sie flüssig bleiben wollen, sagen Sie doch was." Aber das ist doch mein Geld. "Nein, das haben Sie ja bei uns abgegeben, erinnern Sie sich nicht, das hätten Sie auch behalten können, hat Sie keiner gezwungen. Ihr Geld ist jetzt nicht abkömmlich, ist auf Arbeit. Ihr Geld ist weg." Wie weg? "Weit weg, in einem unbekannten Land. Ihr Kapital ist geflüchtet." Ohne mich? "Ja, ist undankbar, so'n Kapital." Dann brauch' ich sofort einen Kredit. "Wie denn ohne Sicherheit? Wir haben gelernt aus der Krise."

Es gibt Wichtigeres, was hab ich unlängst gelesen: Saudischer Prinz wartet seit 11 Jahren auf Spenderherz, jetzt bekommt er das seiner Tochter. Geld ist nicht alles im Leben, Familie ist manchmal auch ganz hilfreich, wenn man sie ausschlachtet. Keine Sorge, liebe Singles, China kommt einsamen Herzen zu Hilfe. Die Todesurteile in China werden bald auf Bestellung vollstreckt und die Organe fangfrisch geerntet. Wenn der Chinese alles aus sich rausholt, ist auch der Deutsche Rentner bald mehr Chinese als Original, dann wäre Peking in der Pflicht, was die Renten betrifft und wir wären aus dem Schneider. Die Pekingrente, das ist Globalisierung.

Weihnachten ist fürs erste mal wieder vorbei und wir haben ganz andere Sorgen, die nächste Feierlichkeit droht, Silvester. Haben Sie schon was vor? Fürs nächste Jahr? Ich hab mir vorgenommen, mir nichts vorzunehmen, denn sich etwas vornehmen heißt, keine Lust haben, dafür ist das Leben zu kurz. Also haben Sie Spaß und hören Sie bloß nicht auf zu rauchen, denn ein gesunder Geist ruht in einem gesunden Körper, in einem kranken ist er wach. Bleiben Sie wach. Ein glückliches neues Jahr zum alten Preis wünscht Ihnen von Herzen:

Thomas Reis

« Vorherige Seite
2 von 2
Autor:  Thomas Reis
Datum:  30 | 12 | 2008
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Video
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

Frankfurter Rundschau im Abo