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Reis' Parteitag im Januar: Schön hässlich

Das höchste Gericht der USA hat in seiner Weisheit beschlossen, die Korruption zu legalisieren. Ein Konzern, der willens und liquide genug ist, sich einen Politiker zu kaufen, darf das fürderhin tun. Von Thomas Reis

Wer vor korrupten Politikern warnt, reitet auch einen weißen Schimmel, der moppelt gerne doppelt und schwadroniert von religiösem Wahn und Wirtschaftskriminalität. Während wir mit unbefriedigenden und weltfremden Begriffen wie Bestechlichkeit, Parteispendenskandal und Waffenlobbyismus herumdoktern, um den Seelenzustand unserer Republik zu umschreiben, hat der Supreme Court, das höchste Gericht der USA, in seiner Weisheit beschlossen, die Korruption zu legalisieren. Ein Konzern oder auch ein Karlheinz Schreiber, der willens und liquide genug ist, sich einen Politiker oder besser eine ganze Partei zu kaufen, darf das in den USA fürderhin tun.

Das ist freie Marktwirtschaft ohne falsche Skrupel, das ist endlich mal ein legislativer Wurf frei von doppelmoralischer Verkniffenheit. Das Gesetz ändert zwar nichts, aber es hebt die Stimmung. Der Politiker darf korrupt bleiben, muss aber kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn er die Zuschüsse für Solarstrom streicht und zugleich die Laufzeiten von Kernkraftwerken verlängert. Atomstrom muss sein, denn wo kämen wir hin, wenn wir schlichten Häuslebauer den Strom plötzlich sehr viel billiger produzieren könnten als unsere sanften Energieriesen. Die müssen ihren berechtigten Ängsten in Deutschland noch auf Umwegen Nachdruck verleihen, in den USA geht das jetzt ohne Menkenkes.

Das sorgt für gute Laune, nur Obama ist sauer: Als Messias angetreten, befindet er sich inzwischen tatsächlich auf einem Himmelfahrtskommando. Seinen ergreifend pathetischen Weckruf müssen wir heute so übersetzen: "Citizens of the United States, are You ready for change?" - "Bürger der Vereinigten Staaten, seid Ihr bereit für Kleingeld?"

Eine enorme Ausholbewegung macht noch keinen großen Wurf, aber ich glaube, der steht unmittelbar bevor. In den USA wird nicht nur heftig über Gesundheit, Wall Streetworker und die Privatisierung des Politischen diskutiert, sondern auch über eine neue Steuer: die Bo-Tax. Mäßig witziges Wortspiel, aber sonst eine tolle Idee von Harry Reid, dem Mehrheitsführer der Demokraten.

Bo-Tax, da denkt der geschulte Geist spontan an die Besteuerung von Finanztransaktionen, wie sie Attac, jener liebenswerte Verein zur Rettung der Welt, seit zehn Jahren fordert. Da denken wir an eine Steuer auf Boni, an sinnstiftende Abgaben auf jene Zugaben, die hart malochende Beschaffungskriminelle erhalten, an eine Steuer, die sogar Angela Merkel schon als janz charmante Idee bezeichnet hat.

Weit gefehlt. Bei der Bo-Tax (siehe Bo-Tox) handelt es sich um eine Steuer auf die künstlich induzierte "Schönheit" des Menschen, eine bewährte Option zur Aufbesserung des Staatshaushalts: Schon Robbespiere bediente sich der Schönheitschirurgie, um den Staatssäckel zu füllen. Gut, der Vergleich hinkt, Harry Reid will die Reichen und Schönen bluten lassen, ohne ihnen gleich den Kopf abzuschlagen. Das kann man einerseits schade finden, andererseits könnte dieser minimalinvasive Eingriff in die Eigentumsverhältnisse der herrschenden Klassen am Ende viel einträglicher sein: Wozu die alten Kühe schlachten, wenn man sie auch melken kann.

Die Beautyindustrie boomt. In New York gibt´s schon mehr Schönheitschirurgen als Schuster, da rennen Frauen zum Fußchirurgen, um sich die Füße an die Pumps anpassen zu lassen. Ruckedigu: Rosige Zeiten für Frauenbildhauer und Beautyfarmer, Schönheitslandwirte, die emsig die Epidermis umpflügen.

Noch lassen sich vorwiegend Frauen beackern. Toll, was da geschnippelt und geschnitzelt wird. Bauchfrei ist out, was kommt, ist die Kurzarmigkeit. Im Frühling trägt man die Arme wieder kurz, die Beine lang und den Kopf unterm Arm. Wohingegen kein Arsch mehr getragen wird, was ich persönlich bedaure, aber dafür sollen im Sommer die Brüste wieder schwellen, die Werbung läuft schon: Dicke Dinge leben länger - Silikon.

Fein, aber wozu? Die Oma vergeht, die Möpse bleiben, dann kriegst Du den Deckel nicht mehr zu. Da weißt Du nicht mehr, ist das ein Friedhof oder ein Maulwurfsfeld? Ist das biologisch abbaubar? Haben wir linken Öko-Feministen dafür gekämpft?

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Autor:  Thomas Reis
Datum:  4 | 2 | 2010
Seiten:  1 2
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