Neda (Persisch für Stimme) wurde stellvertretend für alle Stimmen mundtot gemacht und nun? Den iranischen Grünen blüht das gleiche Schicksal wie bei uns. Wer regieren will, muss artig sein. Für Pessimisten gibt es Grund zum Optimismus. Aus dem iranischen Widerstand wird nichts mehr, zumindest nicht mehr als das, was bereits draus geworden ist, ein Fanal gegen die Pauschalverteufelung.
Ob es eine Demokratiebewegung ist, geschenkt, es ist der Ausdruck kritischen Bewusstseins. Gewalt ist die Antwort der Wortlosen, aber Kritik, so Habermas, unser Jubilar des Monats, Kritik ist ein kommunikativer Prozess, der zunehmend Dissens auflöst und Konsens herbeiführt. Die Islamisten sind erfrischend empfänglich für Kritik, gehen ab wie Raketenmännchen, wenn hier Hunderttausende von Studenten gegen die institutionalisierte Verblödung an den Unis demonstrieren, guckt wieder keine Sau. Wenn ebenso berechtigt die Erzieherinnen unserer Hoffnungsträger für angemessene Arbeitsbedingungen streiten, stürmen die überforderten Eltern nicht die Rathäuser, um dort ihre Parkettbiber zu parken, nein, sie verfallen in genervte Agonie. Es kann also noch dauern mit der vernünftigen Nichtübereinstimmung und dem herrschaftsfreien Diskurs, bis dahin müssen wir uns abfinden mit der Kultur des Scheiterns.
Unser Kriegsminister tut das nicht und verweigert sich der korrekten Begrifflichkeit unseres gut gemeinten Tuns. Krieg ist das Gegenteil von Frieden, wer glaubt, in Afghanistan sei der Friede ausgebrochen, dessen Urteilsvermögen wage ich anzuzweifeln. Warum scheuen wir uns so vor der Benennung. Auch wenn sich die Armada unserer Panzer (Fuchs, Wiesel, Igel) liest wie das Einwohnerverzeichnis eines Streichelzoos, es sind keine Boller- sondern Böllerwagen. Wenn wir den Krieg nicht scheuen, warum dann den Begriff? Man muss keinen Krieg wollen, um darin zu fallen. Ist es die durchgeknallte Staatsverschuldung, die Jung verunsichert. Krieg muss nicht teuer sein. Werbung auf Särgen wird längst gemacht, in der Formel Eins, warum nicht auf Panzern. Rocher sponsert Geschützrohre: Ich geb Dir die Kugel. H&M stattet die weiblichen Rekruten aus, bauchfreie Bombertops, Springerpömps, Wollstringtangas und flippige Handgranatentäschchen. Mädchen dürfen ihre Uniform individuell stylen, denn wir wissen, was passiert, wenn Frauen im Einsatz merken, dass sie alle das gleiche tragen. Das führt zu friendly fire. Raiffeisen finanziert die Stealth-Bomber: Wir machen den Weg frei! Das glaubt man dann auch. Und auf den Tragflächen der Awacs-Aufklärer wirbt Amnesty: Wir sind dagegen, darunter die Grünen etwas kleiner: Wir auch! Im Prinzip!