Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Genaugenommen brennt nicht nur ein Lichtlein, sondern ein beträchtlicher Teil der Welt. Das ist an sich nichts Neues und hinlänglich bekannt, aber jedes Jahr, punktgenau vier Wochen vor der Geburt unseres geliebten Gottessöhnchens wird es uns ins Bewusstsein gebimst.
Die Mildtätigkeitsmaschinerie läuft auf Hochtouren, Außenminister reisen manisch ins Heilige Land, der moralisch industrielle Komplex startet seinen Frontalangriff auf unser Gewissensbisschen und philanthropische Erpresserbriefe verstopfen unsere Briefkästen.
Rührende Weihnachtskarten für gut gemeinte Zwecke, beschwörend von silbernen Kreuzkettchen umrankt, mit dem Hunde gemalt, den Zehen gehäkelt, von Blinden fotografiert, heischen nach Nächstenliebe und werben mit steuerlicher Abzugsfähigkeit.
Niemanden, der reinen Herzens ist, lassen solche Ablassbriefe kalt. Du blickst auf edle Motive von Hungerbauch bis Weihnachtsmann und hörst mit deinen geistigen Ohren Stimmen aus dem Waisenheim, Lepradorf und Massengrab. Stimmen aus Krebsstation, Abschiebeknast und Flüchtlingsboot flüstern flehend: Spende!
Siechende Seelen, geschundene Leiber und hungrige Kinder stammeln: Spende, während Europa den schwarzen Kontinent im Mittelmeer verklappt und die Straße von Gibraltar mit Afrikanern asphaltiert. Wussten Sie nicht? Ist aber so. Vor Gibraltar steigt der Meeresspiegel auch, dennoch wird das Wasser immer seichter. Machen wir so weiter, dann kommen wir bald trockenen Fußes von Spanien nach Marokko, würden wir nicht vom Gegenverkehr überrannt. Ja, die Welt ist schlecht und besonders schlecht ist sie in der Vorweihnachtszeit.
Bleischwer mit Weihnachtseinkäufen beladen, verspüren wir den unwiderstehlichen Drang, Gutes zu tun. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch manchmal überfällt mich Befremden, werde ich mit den kategorischen Imperativen so manch institutionalisierter Barmherzigkeit konfrontiert. - Wissen Sie, was Charity-Toys sind? Ich wusste es auch nicht und dachte, mein Sohn hätte seinem neuesten Teddy die Beinchen abgerissen, da stellt sich raus, das ist der Minenopfer-Teddy einer namhaften Wohltäter-Organisation. Der Ohnbeiner kostet 11,90 Euro, wovon fünf einem Minenopfermenschen zugutekommen. Ist das als Aufruf zur Mitmenschlichkeit noch statthaft? Ist es gar ein probates Finanzierungskonzept für unseren maroden Staat und sein dem Wachkoma entgegendösendes Gesundheitssystem?
Warum nicht? Koma-Tina, die pädagogisch wertvolle Intensivpuppe einer deutschen Krankenkasse mit Magensonde, Trachealkanüle und Blasenkatheter liegt bereits auf einigen Stationen aus. Während wir unsere moribunden Angehörigen besuchen, können die Kinder spielen. Da gibt es viel zu entdecken, jede Menge Schläuche lassen sich umstöpseln, Zugänge legen, Körpersäfte abzapfen und Raucherlungen transplantieren.
Da lernen Kinder spielend fürs Ableben und zu Hause versuchen sie mit zwei Bügeleisen ihre Steiftiere zu reanimieren, das provoziert Hausbrände und ist abschreckend. Die AOK muss abschrecken, das ist eine Gesundheitskasse, die zahlt nicht, wenn du krank wirst. Da lernen Kinder: Bloß nicht krank werden, dann lieber doch Leistungsgesellschaft. Diese frühkindliche Konditionierung führt zur intuitiven Verinnerlichung einer Krankenhausphobie, die mittelfristig nachhaltig zur Senkung des Krankenstands beitragen wird.
Von Mattel gibt es Rollstuhl-Barbie, die ist nicht für den guten Zweck, sondern für Mattel. Die haben sich gedacht, da braucht das Kind enorm viel Zubehör, Rollirampe, behindertengerechtes Badezimmer und Zivi-Ken. Warum nutzen wir die Gesetze des Weihnachtmarktes nicht sozial und retten die Welt spielerisch.
Warum nicht die Playmobil-Paralympics von der Caritas, Bulimie Shelley von der Welthungerhilfe. Drollige Taliban-Tele-Tabbis zum Selber- Bombardieren von der Aktion Sühnezeichen in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium, das seinem Namen derzeit alle Ehre macht.
Selten musste sich ein Ministerium so verteidigen. Nun spendet F. J. Jung, der Bombenteppichverleger wider Willen oder Wissen, doch noch gütig sein Amt für einen besseren Zweck. Wird er wie Oettinger nach Brüssel verschoben? Das ist nach wie vor das sicherste Endlager für politische Restrisiken.
Jung, vom Phantom Red Baron Twenty (Roter Baron 20) abgeschossen und vom Black Baron Bavaria (zu Guttenberg) beerbt, da behaupte noch einer, die Aristokratie hätte ausgedient. Jung ist kein Baron, seine einzige substanzielle Qualifikation ist: Hesse sein.
Was das Hessentum angeht, so entstand im Kabinett kurz ein gefährliches Vakuum, das flugs mit der minderjährigen Kristina Köhler gestopft wurde. Schade, ich hatte die Hoffnung, dass Roland nun vielleicht, aber mit Koch verhält es sich wie mit Atommüll, du kannst ihn so oft hin- und herschieben, wie du willst, richtig wollen, will ihn keiner. Dabei wäre eine Mehrheit der Hessen durchaus bereit Roland Koch zu opfern, ob nun für einen guten oder weniger guten Zweck, Hauptsache weg, abwählen hilft ja nix.
Aber das wurde leider nix, jetzt wird Ursula von der Leyen mit dem Arbeitsministerium geadelt, aber was soll unsere Mami Sonnenschein da? Das Arbeitsministerium ist eine freudlose Behörde, ich finde Brüderle hätte es mal mit Arbeit versuchen sollen, dann hätte Koch die Wirtschaft übernehmen können, um sich zusammen mit Schäuble um die Finanzen der Union zu kümmern.
Das haben beide schon einmal sehr erfolgreich getan und genau das brauchen wir jetzt, nein, keine brutalst mögliche Aufklärung, aber zwei, die sich nicht zu schade sind, das Geld auch mal zu waschen, bevor es zum Himmel stinkt. So geht jede veritable Wohltätigkeitsorganisation vor, denn Schwarzarbeit muss sich wieder lohnen, womit wir bei der FDP wären, deren Oberhaupt sich nicht entblödete, nachdem es flott in Polen Staatsmännchen machte und im Stechschritt durch Paris und Washington defilierte, bei Reinhold Beckmann aufzulaufen.
Zu Beckmann gehen Politiker erst dann, wenn sie keine mehr sind. Guido!? Wurden im Auswärtigen Amt alle Ratgeber für Terre des Hommes gespendet oder kommt Guido einfach nicht aus seiner Haut. Es ist eine heikle Metamorphose vom grinsdebilen Frohsinnsapologeten und Lichtschwert schwingenden Jedi-Kasper zum pragmatischen Protagonisten der dunklen Seite der Macht, die stets das Gute will, doch nur das Böse schafft. Demokratische Politik ist nie mächtig genug, um wirklich gut oder schlecht zu sein, allenfalls gut gemeint oder schlecht verkauft oder beides, wie die Anhebung des Kindergeldes, die vor allem denen überhaupt nichts nützt, für die sie gedacht ist.
Das Elend der Welt wird sich durch Politik nicht aufhalten lassen, wir werden also weiter spenden müssen, da sind kreative Ideen und die Spielwarenindustrie gefragt. Mit jedem Tier von Schleich, retten Sie´n halben Scheich. Sollte der Soli, der Mussi heißen müsste, nicht mehr verfassungskonform sein, was spricht gegen Tamagotchi Ossis oder fünf neue Legoländer zum Wiederaufbau. Beim Online Poker gewinnt die Bad Bank der West LB, Fußballwetten kommen dem Schiedsrichterschutzbund zugute.
Beim Kinobesuch jeder Vampirschmonzette geht ein Euro auf Claudia Pechsteins Blutbankkonto. Wer sich für Parmesan entscheidet, unterstützt den Bund der Zerriebenen, mit Raclette sponsern Sie den Verein der Verflossenen Berlusconis und anderer Opfer des Mafiaterrors. Lasst uns für Opel Arbeitsplätzchen backen und mit Schuppen-Shampoo gegen Überfischung kämpfen.
Eifern wir Philipp Lahm und Luca Toni nach, opfern wir einen Teil unseres Einkommens für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Wer selbst nichts hat, der spende Spermien gegen den demografischen Super-Gau oder zumindest ein Organ, aber spendet, denn nur dem Spender sei ein Trullala. Ich wünsche eine frohe und besinnliche Vorweihnacht ohne Glühweinvergiftung und Marzipanschweinegrippe.