Der Brandbrief der acht Oberärzte der privatisierten Marburger Universitätsklinik hat das Gesundheitsamt alarmiert. "Wir verschaffen uns einen umfassenden Überblick über die Sach- und Rechtslage", teilte ein Sprecher des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit. Erst dann werde man den Inhalt des Schreibens der Kinderärzte bewerten, über den die Frankfurter Rundschau am Mittwoch berichtet hatte.
Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) sieht die Zuständigkeit zudem beim Wissenschaftsministerium. Der Ausschuss für Wissenschaft wird sich auf Antrag der Grünen in der nächsten Woche mit dem Brandbrief an die Geschäftsleitung beschäftigen. Tenor des dreiseitigen Ärzte-Papiers: Nach der Privatisierung hätten sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert, immer mehr erfahrene Kollegen kündigten. Der Intensivbereich sei trotz Ärztemangel "massiv" erweitert worden. Von neun Oberarztstellen im Jahr 2007 gebe es noch 7,5.
Die Klinikleitung hatte der FR über "Interna" keine Auskunft geben wollen. Nachdem auch die Lokalpresse über den Brief berichtete, veröffentlichte die Geschäftsführung eine Stellungnahme auf ihre Homepage. Darin wehrt sich der Chef der Kinderklinik gegen die "presseöffentliche Instrumentalisierung" des Briefs. Es handele sich um eine "interne Diskussionsgrundlage".
Die Patientensicherheit sei stets gewährleistet, heißt es dort weiter. Schuld an der vakanten Kinderonkologie-Stelle sei, dass bundesweit Kinderonkologen fehlten. (jur)

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