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Rhön-Klinikum Gießen / Marburg: Neue Vorwürfe und ein Dementi

Gegen das Universitätsklinikum Gießen und Marburg werden neue Vorwürfe erhoben. Bei der Frankfurter Rundschau haben sich erneut zwei Patientinnen gemeldet. Der Betreiber dementiert einen FR-Bericht.

Streitfall Patientenbehandlung: Am Uniklinikum Marburg und Gießen wird gründlich gearbeitet - sagt die Klinikleitung.
Streitfall Patientenbehandlung: Am Uniklinikum Marburg und Gießen wird gründlich gearbeitet - sagt die Klinikleitung.
Foto: Wegst

Gegen das Universitätsklinikum Gießen und Marburg werden neue Vorwürfe erhoben. Bei der Frankfurter Rundschau haben sich zwei Patientinnen gemeldet. Indes behauptete der Betreiber Rhön-Klinikum, dass es keine Missstände gebe. Der FR-Bericht über mangelhafte Untersuchungen und Personalnotstand auf den Stationen entbehre jeglicher Grundlage. Die Anschuldigungen von niedergelassenen Ärzten und Pflegern seien politisch motiviert und eine "Diffamierung" des Personals.

Die Darstellung der Patientinnen ist eine andere. So sagt eine Schwerkranke, dass seit der Privatisierung Anfang 2006 an Wochenenden und nachts weniger Ärzte Dienst haben. Die Rationalisierungen seien auch bei Pflegekräften spürbar. So müsse sie oft stundenlang auf einen Verbandswechsel warten. Die Rufzentrale sei häufig unterbesetzt, so dass auf Klingeln nicht zeitnah reagiert werde.

Auch im neuen Mutter-Kind-Zentrum fehlt Zeit, sich um die Wöchnerinnen zu kümmern. Das sagt Carolin Zimmermann, deren Sohn Nils per Kaiserschnitt zur Welt kam. "Die Schwestern flitzen nur durch die Gegend, sind total überfordert." Sie hätten noch nicht einmal mehr Zeit gehabt, ihr das Anlegen ihres Sohnes zu ermöglichen.

Der Umzug des Mutter-Kind-Zentrums in das Hauptgebäude auf den Lahnbergen ist laut Klinikleitung ein Grund dafür, dass Personal eingespart werden konnte. Der Abbau von 50 Vollzeitstellen habe aber nicht zu einer schlechteren Patientenversorgung geführt. Vielmehr sei die Zufriedenheit mit der Behandlung nach einer Befragung im Jahr 2007 sehr groß, wie Klinikum-Geschäftsführer Gerald Meder betonte.

Das spiegele sich auch in der gestiegenen Auslastung der 2190 Betten wider: "Nur gute Medizin und unbestreitbare Qualität werden vom Patienten angenommen." Meder widersprach Darstellungen des Betriebsrats, wonach das Personal eingeschüchtert wird, Überlastungen zu melden. "Das ist vollkommener Blödsinn." Doch Betriebsratsvorsitzender Klaus Hanschur blieb dabei: "Das Problem haben wir seit der Privatisierung."

Nicht nur Pflegepersonal im ersten FR-Bericht eine dramatische Verschlechterung an beiden Standorten nach der Privatisierung beklagt. Auch eine niedergelassene Hausärztin hatte kritisiert, dass das Klinikum schwerkranke Patienten entlasse, ohne sie komplett untersucht zu haben.

Als Beispiel führte sie eine 62 Jahre alte Tumorpatientin an, die ohne fertige Diagnose nach 14 Tagen wieder entlassen worden sei. Nachdem die Frau eine zweite Meinung konsultiert hat, bekommt sie jetzt eine Chemotherapie. Die Hausärztin hatte das Beispiel anonymisiert.

Trotzdem hat die ärztliche Leitung des Uniklinikums den Fall rekonstruieren können, wie es nun hieß. Die 62-Jährige sei von oben bis unten durchgecheckt worden, ein interdisziplinäres Team habe ihren Fall durchgesprochen. Die im Arztbrief stehende Diagnose sei eindeutig, sagte der Onkologe Andreas Neubauer. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen werde eine Chemotherapie das Leben der 62-Jährigen nicht verlängern.

Das Klinikum sei bereit, die von der Hausärztin vorgebrachten Fälle von einer neutralen Instanz untersuchen zu lassen, sagte Werner Seeger, Vize-Vorsitzender der Geschäftsführung und Ärztlicher Geschäftsführer. Für Diagnostik und Therapie seien alleine die Ärzte verantwortlich. "Es gibt keine Vorgaben über Limitierungen und Beschränkungen, wir haben keine Deckelungen von Leistungen vorgenommen."

Autor:  JUTTA RIPPEGATHER
Datum:  20 | 9 | 2008
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