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Roter Teppich: Der Kinoschlaf der Juroren

Was wird Franka Potente zur Premierenfeier tragen? Das Rätselraten können wir beenden: Die Damen tragen wie jedes Jahr entweder Pelzstola oder Gänsehaut. Von Franziska Walser

Schauspielerin Franka Potente (l) und ihr Freund Dio kommen zum Eröffnungsfilm The International der  Berlinale (05.02.2009).
Schauspielerin Franka Potente (l) und ihr Freund Dio kommen zum Eröffnungsfilm "The International" der "Berlinale" (05.02.2009).
Foto: ap

Was wird Franka Potente zur Premierenfeier tragen? Rena Lange? Kaviar Gauche? Das Rätselraten können wir an dieser Stelle beenden: Die Damen tragen wie jedes Jahr entweder Pelzstola oder Gänsehaut. Bei den Herren tut es auch ein Wollpulli unterm Anzug.

Denn Berlin mag ein A-Festival sein, aber es hat terminbedingt oft S-Wetter. Wenn in Cannes Mitte Mai die Stars anreisen, hat an der Côte d'Azur schon die Badesaison begonnen. Und Venedig hat sich den heiteren August als Filmfestmonat ausgesucht - beste Bedingungen für eine Gondelfahrt.

Am Potsdamer Platz dagegen bilden die Hochhäuser einen unerbittlichen Windkanal, der genau auf den roten Teppich am Festivalpalast zuläuft. 19 frostige Meter müssen von der Limousine zum Foyer überwunden werden. Wer da noch Autogramme gibt und ausführlich posiert, ist abgehärtet - oder trägt Pelz.

Das Publikum kann den Dresscode etwas entspannter handhaben. Perfekt gekleidet ist man mit Berlinale-Wollmütze und Schal vom Merchandising-Stand. Ob sie in Cannes Sonnenbrillen und Handtücher verkaufen?

Eine Marktlücke allerdings ist in Berlin noch nicht gefüllt. Die Berlinale-Taschentücher. Was dem Münchner die Oktoberfestgrippe, das ist hier der jährliche Berlinale-Infekt. Deshalb gilt es ein paar einfache Regeln zu beachtet: niemals das Popcorn teilen. Dem Kartenabreißer nicht zu nahe kommen. Und die wichtigste Regel von allen: Die Stars der Eröffnungsgala vorm heimischen Fernseher bestaunen, mit einer heißen Zitrone.

Die diesjährige Jury-Präsidentin Tilda Swinton ist unter diesen klimatischen Umständen eine Idealbesetzung. Die Schauspielerin stammt aus schottischem Hochadel und hat das raue Klima gewissermaßen im blau-verfrorenen Blut. 14 Mal war sie schon auf der Berlinale. Zum ersten Mal 1986. Was ihr erster Eindruck vom Festival war, sollte sie gestern auf der Pressekonferenz erzählen. Swinton: "der Schnee". Jedes Jahr wieder. Auch als Swinton 1988 schon einmal in der Jury saß. "Morgens um neun begannen die ersten Vorführungen nach einer kurzen Nacht. Wir sind aus der Kälte ins Kino gekommen und in der Wärme sofort eingeschlafen."

Mit ihren Jury-Kollegen hat sie damals einen Pakt geschlossen: Du weckst mich, ich wecke dich. Ob sie dieses Jahr schon einen Kinoschlaf eingelegt hat, verschweigt Swinton. Sie ist schließlich eine Lady.

Autor:  Franziska Walser
Datum:  6 | 2 | 2009
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