Kontrolleure warnen die neue Regierung vor neuen Schulden außerhalb des Haushalts. Die Koalitionäre planen einen Schattenhaushalt zur Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. Von M. Sievers und S. Geyer
Kaum liegen die Koalitionspläne auf dem Tisch, hagelt es Kritik von allen Seiten.
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Kaum liegen die Koalitionspläne auf dem Tisch, hagelt es Kritik von allen Seiten.
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Berlin. Der Bundesrechnungshof fürchtet eine Schwächung der Schuldenbremse im Grundgesetz durch die Haushaltspläne von Union und FDP. Dies geht aus einer aktuellen Stellungnahme hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. "Der Bundesrechnungshof steht Sondervermögen mit eigener Kreditermächtigung kritisch gegenüber", heißt es darin.
Die neue, von 2011 an geltende verfassungsrechtliche Kreditregel verbiete zu Recht "jede zusätzliche Nettokreditaufnahme außerhalb des Bundeshaushaltes", betonen die Kontrolleure. "Deshalb sollten bis dahin keine neuen Sondervermögen mit eigener Kreditermächtigung geschaffen werden, um die neue Schuldenbremse nicht bereits vor ihrem Inkrafttreten zu schwächen."
20 Verhandlungstage haben ihre Spuren hinterlassen: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Guido Westerwelle und Horst Seehofer.
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20 Verhandlungstage haben ihre Spuren hinterlassen: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Guido Westerwelle und Horst Seehofer.
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Union und FDP haben zwar nach verfassungsrechtlichen Bedenken ihre ursprünglichen Pläne für Schattenhaushalte gestutzt, aber nicht fallen gelassen. Laut Koalitionsvertrag beabsichtigen sie, die Defizite der Arbeitslosenversicherung aus einem "Sondervermögen" zu finanzieren.
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel bemühte sich, Sorgen vor wachsenden Schulden entgegenzutreten. "Wir gehen auf einen mutigen Weg", betonte Merkel. Vor allem die Jahre 2010 und 2011 seien geprägt von der Überwindung der Krise.
Das neue Kabinett - sie werden uns künftig regieren
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Das neue Kabinett - sie werden uns künftig regieren
Die deutschen Truppen in Afghanistan betreut in Zukunft der jetzige Wirtschaftsminister und politische Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg (37, CSU) als Verteidigungsminister.
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Der neue Finanzminister der Bundesrepublik heißt Wolfgang Schäuble (67, CDU) - mit ihm wird der Keynesianismus ins Ministerium einziehen.
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Philipp Rösler (36, FDP), Arzt und niedersächsischer Wirtschaftsminister, wird überraschend Gesundheitsminister im Bundeskabinett. Er ist das erste Kabinettsmitglied mit Migrationshintergrund.
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Der bisherige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (60, CDU) soll ins Arbeitsministerium wechseln - eine kleine Sensation.
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Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender (47), ist als Vizekanzler und Außenminister gesetzt.
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Rainer Brüderle (64, FDP) leitet das Wirtschaftsministerium.
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Ursula von der Leyen (51, CDU) bleibt Familienministerin, bekommt aber weitere Zuständigkeiten für Soziales.
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Ronald Pofalla (50), CDU-Generalsekretär, wird Kanzleramtsminister.
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Peter Ramsauer (55), derzeit Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, wird neuer Verkehrsminister.
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Thomas de Maizière (55, CDU), bisher Kanzleramtsminister, wird das Innenministerium führen.
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Norbert Röttgen (44, CDU) ist für das Umweltressort vorgesehen.
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Ilse Aigner (44, CSU) bleibt Landwirtschaftsministerin.
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Annette Schavan (54, CDU) behält das Bildungsministerium.
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Comeback: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wird erneut Bundesjustizministerin.
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Das neue Kabinett für Bundeskanzlerin Merkel steht: Insgesamt verbucht die CDU acht Posten inklusive Kanzlerin für sich. Die FDP erhält fünf Ressorts, die CSU drei Ministerien. Wir stellen das neue Kabinett der zukünftigen Regierung vor. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel (Bild) soll das Entwicklungshilfe-Ressort führen.
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Linkspartei in der Krise
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Wirtschaft zufrieden mit Koalitionsvertrag
Zufrieden zeigte sich die Wirtschaft. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt lobte die Ankündigung, die Firmen bei den Sozialabgaben zu entlasten. Dies sei wichtig, um die Systeme zukunftsfest zu machen. Dagegen sprach der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Somer, von einem "Angriff auf den Sozialstaat". Oppositionsführer Frank-Walter Steinmeier bescheinigte Union und FDP einen "grandiosen Fehlstart". Für die Menschen werde vieles teurer und unsicherer, so der SPD-Politiker.
FDP-Chef Guido Westerwelle verteidigte den Koalitionsvertrag gegen den Vorwurf der sozialen Kälte. "Deutschland wird von der Mitte aus regiert, von einer Koalition der Mitte", sagte Westerwelle am Sonntag auf dem FDP-Sonderparteitag.
Rüstungsexperten warnten vor einer Aufweichung der deutschen Gesetze zum Rüstungsexport durch Schwarz-Gelb. "Teile des Koalitionsvertrages lesen sich wie von der Industrie geschrieben", sagte Matthias John von Amnesty International der FR. "Wenn die Koalition sich vornimmt, die deutsche Genehmigungspolitik mit der von anderen EU-Staaten zu harmonisieren, läuft das auf eine Lockerung der Kontrolle hinaus."