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Schindlers Wahl-Heimat - Station 18: Rot, ein Erfolgsmodell

Letztes Jahr ist Robert Balle zum vierten Mal zum Bürgermeister von Rot gewählt worden. 96 oder 97 Prozent hat er bekommen. "Das war ein schlechtes Ergebnis", sagt er. Von Jörg Schindler Alles zur Wahl im FR-Bundestagswahl-Spezial Fotostrecke: Kreuzchen der Promis - "Deshalb wähle ich" Bilderstrecke: Plaßmann karikiert den Wahlkampf

Achtzehnte Station: Rot. Letztes Jahr ist Robert Balle zum vierten Mal zum Bürgermeister von Rot gewählt worden. 96 oder 97 Prozent hat er bekommen. Das war ein schlechtes Ergebnis, sagt er. Von Jörg Schindler
Achtzehnte Station: Rot. Letztes Jahr ist Robert Balle zum vierten Mal zum Bürgermeister von Rot gewählt worden. 96 oder 97 Prozent hat er bekommen. "Das war ein schlechtes Ergebnis", sagt er. Von Jörg Schindler
Foto: Schindler

Rot sieht heute Morgen ziemlich grau aus. Dichter Nebel liegt über dem oberschwäbischen Örtchen, die Zwiebeltürme der gewaltigen Klosterkirche sind nur als matter Schattenriss zu erkennen. Ein trister Herbsttag klopft an in Rot an der Rot. Wenn das mal kein Omen ist.

Robert Balle kann es egal sein. Der Mann hat mit Politik ohnehin wenig am Hut. "Ich hab für so Geplänkel keine Zeit." Außerdem muss er sich um Wahlergebnisse nun wirklich nicht scheren. Letztes Jahr ist der asketisch wirkende Schwabe zum vierten Mal zum Bürgermeister von Rot gewählt worden. 96 oder 97 Prozent hat er bekommen. "Das war ein schlechtes Ergebnis", sagt Balle. Er kennt Kollegen im Umland, die schaffen locker 99 Prozent.

1984 war´s, als Balle, ein netter Mann mit bedächtigem Gemüt, erstmals auf seinem Bürgermeistersessel Platz nahm. Gerhard Schröder war da noch so weit weg vom Kanzleramt wie Rot von der Moderne. Es gab keine Gehwege, keine Kläranlage, keine gescheite Infrastruktur - es gab, anders gesagt, jede Menge zu tun. Da war es Balle, dem Parteilosen, im Grunde egal, wer da im Gemeinderat für wen hockte. "Hauptsache, die Leute packen mit an."

So halten sie es in Rot auch heute noch. Die 20 Sitze im Gemeinderat teilen sich im Wesentlichen die Bürgerliche Wählervereinigung und die Freie Wählervereinigung, wobei bei den Bürgerlichen die CDU-Nahen, aber auch "ein paar grün Angehauchte" sitzen, und bei den Freien "die anderen", so Balle. "Aber ganz ehrlich, ich kann die oft selbst nicht ganz genau auseinanderhalten."

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Geschadet jedenfalls hat es dem Örtchen mit seinen 4400 Einwohnern nicht. In Balles Amtszeit wurden eine Sport- und eine Festhalle, ein Feuerwehrhaus, eine Kita und eine Schule errichtet. Die barocke Klosteranlage in der Ortsmitte wurde mit diversen Millionen aufgehübscht und zählt heute zum festen Zwischenstopp auf der Oberschwäbischen Barockstraße. Gerade bauen sie im Abtsgarten ein Seniorenzentrum und dahinter den Bürgerpark, ein goldiger Terrassengarten kommt noch dazu. Was man halt so machen kann, wenn man das Glück hat, im Kreis Biberach zu regieren, einem der wohlhabendsten Flecken in Deutschland. Da ist Rot - geografisch betrachtet - quasi die Antithese zu Schwarz.

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Uns geht´s nicht schlecht", sagt denn auch Bürgermeister Balle. Arbeitslose kennt er persönlich kaum, außer ein paar Schäfchen, "die nix schaffe wolle", aber das Gesamtbild nicht wirklich trüben. Obwohl ja nicht mal mehr Öl gefördert wird in Rot, wie noch bis Ende der 90er Jahre, ehe die Quelle versiegte. Man muss ohnehin mit der Zeit gehen, findet der 61-Jährige, der deshalb schon wieder weiter plant und mit den Hackschnitzeln des örtlichen Sägewerks in Zukunft gerne einen Heizkraftwerk betreiben würde. "Wissen Sie, so eine Gemeinde ist ja nie fertig."

Also bastelt Balle weiter an Rot und im Grunde ist es egal, wer demnächst unter ihm Kanzler von Deutschland sein wird. Die nächsten zwei, drei Jahre werden vielleicht ein bisschen ungemütlicher, wenn es der Krise einfallen sollte, doch noch zwischen Biberach und Memmingen vorbeizuschauen. Aber darüber Klage zu führen, hieße Jammern auf hohem Niveau, findet der Bürgermeister. Und so lange keiner auf die Idee kommt, hier doch noch Politik machen zu wollen, kriegen sie die Kiste schon geschaukelt. "Meine Freiheit", sagt Balle, "ist mir wichtiger als Politik."

Am Ende dieses Gesprächs, am Ende dieser Reise, lichtet sich der Nebel über Rot dann übrigens doch noch. Aber auch das sollte man nicht überbewerten.

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  25 | 9 | 2009
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